Restaurant-Tipp: Monte Grappa in der Einsteinstrasse München
Ich habe ja lange keinen Tipp mehr geschrieben. Aber letzte Woche habe ich mit den Bürokollegen einen kleinen Italiener entdeckt, der einfach ein Geheimtipp ist…

Etwas versteckt, nicht direkt an der Hauptrasse schlummert ein Kleinod der gut bürgerlich-italienischen Küche
Etwas versteckt in einer Seitengasse (Einsteinstrasse 98) findet man (oder findet eben nicht) eine von aussen recht unscheinbar aussehende Lokalität. Das Monte Grappa. Der erste Blick von außen verrät eine schlichte Einrichtung, aber über und über mit Erinnerungsstücken und fast schon ein wenig kitschigen Objekten bestückte Wände. Kurz darauf wird man vom etwa 55-60jährigen Chef persönlich im sympathischen Bariton begrüßt und an einen der etwa 12 Zweiertische drapiert, wobei für größere Gruppen schnell und flexibel einfach umgeräumt und Tische neu zusammengestellt werden.
Die gedruckte Speisekarte sowie die Tafeln an der Theke mit wechselnden Aktionsgerichten lesen sich eigentlich für einen Italiener recht typisch, wobei aber sehr interessante Kreationen wie die “Pizza Nürburgring” oder die “Rigatoni Pavarotti” darunter sind.
Meinen ersten Besuch machte ich dort, als ich schon seit Tagen das Wort “Bolognese” im Kopf rumschwirren hatte. Also entschied ich mich dafür – und wurde wirklich positiv überrascht. Ich bekam zwar einen Teller, der auf den ersten Blick eher grau als tomatenrot aussah – aber der Geschmack überzeugte mich! Mit Bolognese verband ich bisher nämlich zwei extreme Ausprägungen, zwischen denen alles Angebotene pendelte:
- was meine Mutter darunter versteht: kurz gargekochtes Hackfleisch, wenig gewürzt und mit einem Hauch Tomate sowie Fondor. Sorry, Mama: langweilig!
- was mein Kochbuch darunter versteht: eine mit Karotten, Zwiebeln, ein wenig Knoblauch, Kräutern und viel gehackter Tomate eine gute dreiviertelstunde runterreduzierte Leckerität, die ich eimerweise verdrücken könnte.
Nun muss ich aber mein Spektrum erweitern. Diese Variante im Monte Grappa war mit wenig Tomate – aber mit so viel Geschmack nach Kräutern, Pfeffer, einem guten Schuss Paprika und etwas unidentifizierbarem. Ich vermute, es war Parmesan. Dazu Spaghetti, die so exakt auf Punkt gegart waren und einen dezenten Eigengeschmack, fast wie handgemacht hatten – perfekt! Allein dafür schon sämtliche Daumen hoch. Das schmeckte nicht irgendwie gekünstelt oder nach Packung – eher so, als hätte Mamma persönlich gekocht. Also seine Mamma, nicht meine.
Einer meiner Kollegen aß an dem Tag die schon erwähnte “Pizza Nürburgring”, die wirklich richtig, richtig scharf war. Weshalb wir beim Bezahlen natürlich neugierig waren, wie diese Pizza überhaupt zu ihrem Namen gekommen ist. Und wir erfuhren es auch…
Der gemütliche Wirt zog sich einen Stuhl an unseren Tisch, setzte sich und legte los: “Erzähl ich Dir, warum die Nürburgring heißt. Damals, als ich nach Deutschland kam, 1970, bin ich Motorrad gefahren. Hab später Krankheit davon bekommen. Hab ich immer noch. (Er hinkt ein wenig, also vermute ich Unfall.) Damals gab es im Februar immer großes Motorradtreffen am Nürburgring. Hieß Elefantentreffen. Also kamen meine Freunde aus Italien mit Motorrad und wir sind hochgefahren. Im Winter. Waren steif gefroren, als wir oben waren. Sind dann in Pizzeria gegangen und der hatte so eine Pizza mit würziger Salami und scharfem Paprika – ist uns wieder richtig schön warm geworden. Sind dann nach Elefantentreffen wieder zurück nach München. Hatte damals auch schon Arbeit in Pizzeria und Freunde machten noch kurz Halt, bevor sie nach Italien zurückfuhren – und dann haben wir diese Pizza nachgemacht. Nennen sie seitdem einfach Pizza Nürburgring…”
Auch wenn das Zitat vielleicht nicht 100%ig genau seinen Worten entsprach – ziemlich genau so nett mit italienisch-bayrischem Akzent hat er es uns erzählt. Also auch für den Punkt “Sympathie” beide Daumen nach oben.
Beim zweiten mal wollte ich dann auch eine der Pizzen probieren, denn das, was meine Kollegen beim ersten mal bekommen hatten, sah zwar klein (26cm), aber so richtig, richtig lecker aus. Weshalb ich mich für eine Pizza mit Thunfisch und Zwiebeln entschied. Und was soll ich sagen? So eine gute Pizza hab ich bisher nur ein einziges Mal bekommen: in Torri del Benaco am Gardasee. Der Boden war sehr dünn und trotz der Dünne perfekt – mit einem kleinen Knusper unten und kleinen, weichem Innenleben. Todeszone am Rand gab es zwar ein wenig, aber weil der Teig so gut war, schmeckte sogar diese. Und der Belag war einfach genau richtig. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Wäre sie nicht nur 26cm gewesen, hätte diese Pizza den Titel “beste Pizza meines Lebens” verdient.
Auch nicht zu vergessen: der Salat, den ich dazu bekam. Ein einfacher, gemischter Salat. Für Italiener typisch zum selber würzen. Also eigentlich nichts Spektakuläres. Wären da nicht dieser wirklich leckere Balsamico und das noch viel leckerere Olivenöl gewesen. Das war einfach keine Großmarktware, sondern das, was ich in einem normalen Haushalt in Italien erwarten würde. Wenn ich mal zurückdenke, muss ich lange grübeln, bis ich einen Italiener finde, bei dem ich ähnlich gute Ware an den Tisch gestellt bekam.
Beim dritten und leider letzten mal (Jobwechsel, also komplett andere Ecke Münchens danach) war dann eine meiner Leibspeisen dran: Spaghetti Carbonara. Die aber leider meine hohen Erwartungen nicht erfüllten. Sehr schade. Die Nudeln waren zwar wieder perfekt, aber die Sauce erinnerte mich eher an eine Sahnesauce als an Carbonara. Also nicht, dass sie nicht gut war, aber ein wenig enttäuscht war ich dann doch, weil ich auf eine gute, handgemachte Carbonara-Sauce hoffte. Es schmeckte zwar dennoch sehr gut, aber mir fehlte leider das Ei in der Sauce, um perfekt zu sein.
Nichtsdestotrotz: gerade für die Mittagspause ein echter Geheimtipp – so leckeres, frisch gekochtes Essen zu vernünftigen Preisen (mit Getränk 8-9€) bekommt man in dieser Ecke Münchens wohl nicht so häufig.

Das klingt ja fast nach Preisen von “meinem” Italiener ..
Also der schräg gegenüber, welcher inzwischen fast direkt nebendran ein Eiscafe eröffnet hat, in welchem es schwer-genial leckeres, selbstgemachtes Eis gibt.
cu, w0lf.