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Sarah Knappik im Dschungelcamp – oder wie ich den Sadisten in mir und dem Rest der Welt entdeckte…

RTL Dschungelcamp - Sarah Knappik war die Beste

Ich gestehe - bis heute habe ich jede Folge gesehen. Aber ohne Sarah ist die Luft raus. Ich will Dingens zurück!!!

Ja, ich war auch einer der 8 Millionen Zuschauer, die RTL mit ihrem Format des Dschungelcamps feiern konnte. Aber zu meiner Verteidigung: das war die erste Staffel, die ich überhaupt gesehen habe und ich bin bei der ersten Sendung erst mal nur beim Zappen hängengeblieben. Als ich jedoch 10 Minuten vorwiegend Sarah Dingens in Äktschn erlebte, ertappte ich mich, wie ich mit offenem Mund da saß und nicht glauben konnte, was ich sehe. Ich schämte mich fremd.

Ja, es hat Spaß gemacht, die letzten eineinhalb Wochen. Ich freute mich jeden Abend darauf, mir um 22:15 Uhr noch einen Whiskey einzuschenken, die Zigarre anzuschmauchen und mitzuerleben, wie eine wirklich seltsame Person für einen Brüller nach dem Anderen sorgte. Das Vergnügen ging sogar so weit, dass ich fortan für sie anrief, um sie auch ja am nächsten Tag wieder bei einer Prüfung komplett versagen zu sehen. Das war mir die 50 Cent pro SMS wert.

Bis mir bewusst wurde, was ich da eigentlich tat. Ich empfand tiefes Vergnügen daran, jemand anderen in die Kacke zu reiten. Meine anonyme Stimme sorgte dafür, dass sie leiden musste. Und ich genoss es. Sowohl, sie in ihrer eigenen und wohl einzigartigen Art und Weise leiden zu sehen – als auch mein ganz persönliches Gefühl der Genugtuung dabei. Ich hatte es dieser Unperson gezeigt. Mit nur ein paar Tastendrücken auf dem Handy.

Wäre ich genauso fies, wenn diese Abstraktion fehlen würde? Stände sie direkt vor mir und ich müsste entscheiden, ob sie mit ihrem Arm in eine dunkle, mit Skorpionen gefüllte Röhre greifen müsste – wäre meine Entscheidung die gleiche wie vor dem Fernseher? Wäre ich genauso sadistisch, wenn ich die Folgen direkt miterleben müsste anstatt einfach 16.000 km davon entfernt ausschalten und ins Bett gehen zu können?

Was mich dann aber noch nachdenklicher werden ließ: ich war ja offensichtlich nicht der einzige, der sie Tag für Tag in die Prüfung wählte. Es gibt also offenbar eine Menge anderer Menschen, denen das Leiden von Sarah genauso viel Vergnügen bereitet hat wie mir. Ob die sich aber wohl die gleiche Frage stellten wie ich?

Angesichts des Erfolgs dieses ganzen Formats muss ich mich also wundern: sind wir nicht alle doch irgendwie heimliche Sadisten? Zumindest so lange wir keine direkte Auswirkung der Handlung auf unser eigenes Leben zu befürchten haben, denke ich: ja! Jeder spielt doch gerne jemand anderem einen Streich. Wenn er dabei nicht ertappt werden kann sogar noch viel lieber. Die Frage ist nur, wo eigentlich die Grenze zwischen einem Scherz und den teilweise abartigen Dschungelprüfungen verläuft? Ich meine, es ist einfach schon ein himmelweiter Unterschied, ob jemand einem Mitmenschen ein Pupskissen unterjubelt oder einen ähnlich alltäglichen Scherz mit ihm macht – oder ob er ihn nur am untersten Minimum ernährt und ihn erst mal Hirschhoden und Krokodilpenisse essen lässt bzw. erheblichem körperlichem Schmerz, Ekel, Todesangst und psychischem Druck aussetzt, bevor er mehr zu essen bekommt. Da ändert auch die Tatsache nichts daran, dass alle 11 Kandidaten freiwillig dort sind. Obwohl die Frage nach der Freiwilligkeit noch weiter zu untersuchen wäre – weil Fakt ist doch, dass es ein stattliches Preisgeld gibt und alle Teilnehmer nicht unbedingt dafür bekannt sind, dass sie zur Zeit keinerlei Geldsorgen hätten. Die spitzen Kommentare der beiden Moderatoren tun da noch ihr Übriges…

Was mich jetzt noch wirklich brennend ob dieser erschreckenden Erkenntnisse über unsere menschliche Psyche interessieren würde: wie weit würden wir Couch-Sadisten eigentlich wirklich gehen? Nehmen wir einfach mal an, es gäbe tatsächlich eine Art Folter-Show, bei der wir anonym über das allseits so beliebte “Voting” den Verlauf bestimmen könnten. Wir könnten aus 10 Insassen einen bestimmen, dem wirklich heftige körperliche und psychische Schmerzen zugefügt werden. Und nur, wenn er diese Prüfung besteht, ohne ohnmächtig zu werden oder ohne zu schreien oder was auch immer – nur dann bekommen alle etwas zu Essen, andernfalls müssen sie eben die 8 Stunden bis zur nächsten Prüfung hungern. Und wenn wir nicht nur das Opfer bestimmen könnten, sondern auch noch die Prüfung an sich? Bambussplitter unter die Fingernägel oder doch lieber das Brandeisen in die Leistengegend? Und wer als letztes übrig bleibt, bekommt eine kosmetische OP sowie 1 Million Euro.

Ich weiß nicht, ob das nicht sogar ein Kassenschlager wäre. Natürlich wäre die Zielgruppe kleiner, denn das geht schon noch mal deutlich über das hinaus, was im RTL Dschungelcamp von den Kandidaten verlangt wird und könnte einigen Zusehern die Mägen verdrehen.

Ich fürchte aber, dass ich garantiert nicht der einzige wäre, der sich das zumindest einmal ansehen – oder sogar mal “mit-voten” würde. Sieht ja keiner. Und irgendwie haben sie es ja verdient, denn ganz unschuldig käme ja keiner in so eine Folterbude.

Wie falsch läge ich, wenn ich sagte, dass Du Dir das auf jeden Fall auch mal ansehen müsstest? Und wenn diese Sendung nicht nur meine und Deine, sondern eine Menge mehr Voting-Kohle (50 Cent pro Anruf oder SMS) bekäme?

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2 Kommentare

  1. Ich bekenne mich auch schuldig!
    Und nicht nur diesmal. Schon seit der zweiten Staffel bin ich vom Fern-Bestrafen fasziniert! Dabei bin ich ja in guter Gesellschaft, wie man hier lesen kann. Und ja, ich würde vermutlich auch noch weiter gehen. Es gab ja auch schon Versuche, die eindeutig zeigten, dass Menschen ganz leicht zu Sadisten werden können. Es gibt da keine Grenzen mehr. Und japanische Shows sind der Vorreiter. Wer weiß, was noch alles kommt.
    Aber bin ich nun ein schlechterer Mensch? Es gibt so viele sadistische Spielwiesen. Was sind das z.B. für Typen, die Ego-Shooter spielen? Es scheint eher in uns drin zu stecken, ein Bedürfniss, tief hinten im limbischen System, das uns vielleicht hilft, das Grauen von uns abzuhalten, uns abzugrenzen von all dem Irrsinn.
    Und vergessen wir bitte schön nicht, dass diese Opfer Freiwillge sind, nicht nur getrieben vom schnöden Mammon. Sondern auch von Geltungssucht und so mancher auch von purem Masochismus. Sie sind der passende Gegenpart im Spiel. Dom und Sub. Ein uraltes Spiel, dass beiden Lust verschafft.
    Wunderbar übrigens auch zu erleben, wie erwachsene Menschen, obwohl sie wissen, worauf sie sich einlassen und im Angesicht von zig Kameras und Mikrofonen, ihre Contenance verlieren und sich in infantilen Krieg-der-Knöpfe-spielen aufreiben. Ganz besonders herrlich unser APO-Opa, äußerlich stoisch über allem schwebend und tief im Innern geschüttelt von Entsetzen. Das ganze ein äußerst komisches Drama, reif für den Grimme-Preis ;-) .
    Ich wundere mich nur mal wieder, wo all die 8 Millionen Zuschauer sind. Denn fragt man rum, guckt keiner zu. Schön, dass sich hier zwei gefunden haben ;-) . Aber die auflagenstärkste “Zeitung” liest je auch keiner.

  2. Die auflagenstärkste Zeitung ist ja auch ein Bilderbuch für Große – kein Wunder, dass die keiner “liest” ;)
    Ich schaue mir sie aber weder an. noch lese ich sie – genauso wie alle x-tausend anderen Holzmedien – außer Bücher und ab und an eine ct kommt mir sowas nicht mehr ins Haus!

    Ist rausgeworfenes Geld und der Tod vieler Bäume!

    cu, w0lf.

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