LUKUHLUS – der LOHAS

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Kritik: Nektar Beach München, Praterinsel

(Bild: Homepage des Nektar)Mag sein, dass die Küche dort kulinarische Gänsehaut erzeugen kann. Als wir dort waren, arbeiteten jedenfalls höchstens die Putzfrauen in der Küche.

Lukuhlus hat lange geschwiegen. Aber auf dieses “Erlebnis” hin kann das Schweigen nicht bestehen bleiben. Denn wo meines Empfindens nach Verblendung auf Verarsche trifft, muss der mahnende Zeigefinger erhoben und zum Nachdenken ermahnt werden.

Die Rede ist von einer wahnsinnig spaßigen Nacht im derzeit wohl angesagtesten City Life Club in München. Das Nektar Beach auf der Praterinsel. Mitten in München. Von der Lage her idyllisch an der Isar gelegen und mit einem kleinen Sandkasten Beach im Hof ausgestattet. Bei schönem Wetter packt man sein Schäufelchen und Förmchen aus und spielt mit den anderen verwöhnten Gören im Sand räkelt und posiert man dementsprechend auf Liegen, die dort verstreut stehen – bei Regen, wie wir ihn letzten Freitag erlebten, hat man aber immerhin die Ausweichmöglichkeit, im Gewölbe des eigentlichen Clubs zu feiern.

Aber der Reihe nach. Was macht jemand wie ich, der für richtig gutes, handgemachtes Essen, Bodenständigkeit und absolut der Metaller-Fraktion zugehörig bekannt ist, überhaupt in so einem Schicki-Micki-Club??? Nein, es war nicht das von diesem Publikum offenbar eimerweise konsumierte Koks, sowas langweilt mich. Es war auch nicht der schnuckelige Arsch von Jorge Gonzales, der selbigen an diesem Abend zusammen mit einigen nicht weniger schnuckeligen Models über einen Laufsteg schob, weil eine Modenschau von Stage Fashion stattfand. Es war unsere Betriebsfeier.

Wo soll ich anfangen?

In diesem Blog geht es um Essen, also konzentriere ich mich besser darauf.

Der Abend begann mit einem großen Tablett Knabberzeugs und Zwischen-Leckereien. Wenn ich zu dem Zeitpunkt schon gewusst hätte, dass in jeder dieser Schüsseln mehr Inhalt ist, als alle vier späteren “Gänge” zusammengenommen auf die Waage bringen sollten, hätte ich vielleicht mehr davon gegessen. Die vorab schon seitens des Nektars selbst ausgesprochene Empfehlung “Männer sollten vielleicht nicht gänzlich ohne Unterlage kommen” wurde jedenfalls sogar noch ins Lächerliche gezogen. Ich hatte keine kleine Unterlage. Und selbst meine kleine Göttin, die sonst eher Nasch-Portionen isst, war fassungslos, welche Mini-Portiönchen dort serviert wurden.

Aber wir sind ja immer noch beim “Warm-Up”. Bei den “Fackeln” beispielsweise. Die ich dergestalt kenne, dass hauchdünn geschnittener, extrem leckerer, salziger Serrano oder Parma-Schinken um ein nicht minder würziges Grissini gewickelt und direkt vor dem Verzehr vielleicht noch mit ein, zwei Tröpfchen richtig guten Oliven- oder Kürbiskern-Öls beträufelt wird. Eine Köstlichkeit, sowas! Allerdings auch das haargenaue Gegenteil dessen, was das Nektar da zusammengeschustert hat. Der Gedanke an die Vokabel “kredenzen” verursacht mir in dem Zusammenhang allein vom Wort-Gerechtigkeitssinn her gesehen schon Adrenalinstösse. Da wurde irgendein 08/15 Roh-Schinken in Aufschnitt-Dicke gesäbelt und um die mit Abstand mehligsten und geschmacklosesten, steinharten Teigstangen gewickelt, die ich je essen musste.

Die Oliven, die dazu gereicht wurden, schmeckten alt und modrig und waren mit Stein. Also auch hier das exakte Gegenteil dessen, was als “Pralinen” ab und an auf unseren Jausen-Tisch kommt: perfekt ausgereifte Kalamata-Oliven mit Knoblauch-Füllung – eingelegt in mildes Öl mit der genau richtigen Mischung Kräuter, dass man sie einfach nur pur zu frischem Ciabatta oder Fladenbrot essen möchte. Doch damit nicht genug: ein weiterer Napf war mit roten, schrumpeligen Lappen gefüllt. Die sich als getrocknete, eingelegte Tomaten herausstellten. Die derart sauer waren, dass ich sie später, als mir aufgrund des in rauen Mengen zugeführten Wodka-Bull doch mal übel wurde und ich heftiges Sodbrennen bekam, missbrauchen musste, und sie… Ach, lassen wir die Details… Mit der entsprechenden Leckerität aus der Vorspeisentruhe unseres Lieblingsitalieners hat das jedenfalls so viel gemein wie Becherpudding aus dem Supermarkt mit meiner selbstgemachten Mousse au Chocolat.

Und auch der Napf mit den Knabber-Nüssen – gut, die waren wenigstens nicht sofort als stinknormale 99Cent-Dosen-Nüsse zu erkennen, aber auch die darauf verstreute Kräutermischung konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass es einfach billige Ware war, die irgendwie aufgehübscht wurde. Apropos aufhübschen: Käsewürfel sind eine tolle Sache. Wenn erstens der Käse von der Qualität her stimmt und wenn er zweitens wenigstens sauber präsentiert wird. Was hier beides nicht der Fall war. Monster-Brocken von teilweise 3x3cm Ausmaß fanden sich in diesem Napf, so dass der Käse gar keine Chance hatte, irgendwelches vorhandenes Aroma beim Zergehen auf der Zunge zu entfalten. Außerdem war er – nun ja, wer Industrie-Fraß gewohnt ist, für den war er vielleicht schon etwas würziger als gewohnt. Aber selbst blutjunger Mai-Gouda aus unserem Tagwerk-Laden schmeckt noch deutlich intensiver als das da…

Irgendwann (gefühlte 3 Stunden nach Beginn des Events) kam dann aber auch endlich mal “was richtiges” zu essen. Und erntete allgemeines Gelächter. Der Original hochtrabende Name ist mir entfallen, aber es waren genau zwei Scheibchen (“marinierte” – so viel weiß ich noch!) rote Bete, die ungefähr zwei Esslöffel Frischkäse umhüllten, in einer kleinen Lache aus rotem, hartgewordenem Glibber ruhten und mit ein wenig Pistazie sowie einem einzelnen Hälmchen Kresse überstreut waren. Kann lecker sein. Muss aber nicht. Ich mochte zwar in dem Moment den Geschmack ganz gut leiden, allerdings musste ich an ganz stinknormalen Kohlrabi denken, weil ich davon noch zwei ends-leckere Exemplare von unserem Bio-Bauern im Kühlschrank zu Hause hatte und mich just daran erinnerte, dass ich die mal essen sollte. Jedenfalls: auch hier – Käse… Naja. Ich glaube, es war wenigstens Ziegen- oder Schafskäse. Das Aroma war viel zu wenig ausgebildet, um es eindeutig sagen zu können. Und vor allem eben: zwei Gabeln davon und die Frage nach dem “war das alles?” kam auf.

Gefolgt wurde dieser Gang von einem Carpaccio, zu dem ich leider nichts sagen kann, weil ich nichts davon abbekam. Die Tellergröße war jedenfalls wieder winzig und der Hunger der näher am Bedienenden sitzenden stärker als mein akustisches Durchsetzungsvermögen.

Als dritten Gang gab es dann wenigstens etwas halbwegs Bodenständiges: vier Makis. Zwei mit Lachs und zwei mit Gurke. Der dazu gereichte, eingelegte Ingwer war gut. Also klassische Qualität aus einem China-Restaurant eben. Die Makis an sich – nun ja, allzuviel verkehrt machen kann man da ja auch nicht. Gut Sojasauce drauf, dann schmeckts wenigstens nach chinesischem Maggi. Durchschnittliches Sushi halt, wie es inzwischen jeder Lieferservice auch hinbekommt.

Und zu guter Letzt die Krönung: ein Nektar-Burger. Hah! Ich hatte an dem Tag ein Metzger-Frühstück, bestehend aus einer Fleischpflanzerl-Semmel von unserem prämierten Dorfmetzger. Der packt Käse mit in die Frikadellen. Leckerst! Und als Unterlage für den Abend machte ich notgedrungen einen Abstecher zu McDonalds, wo ich mir in Eile zwei Cheeseburger gönnte. Und dann eben der Nektar-Burger. Rein von der Größe her war er einfach nur als süß zu bezeichnen. Etwa ein Drittel so viel wie der McCheese und etwa ein Viertel meines Dorfmetzger-Pendants. Geschmacklich dafür – passt so einigermassen. Nicht schlecht, aber auch nichts außergewöhnliches. Aber derart “anfixend”, dass wir zu ganz, ganz später Stunde auf dem Weg zu unserem Hotelzimmer noch bei Burger King einkehren mussten. Sozusagen mein vierter Burger an dem Tag. Einfach nur, um wieder zu wissen, dass es noch echtes Essen gibt.

So viel zum Essen. Zur restlichen Location könnte ich jetzt mindestens noch genausoviel schreiben. Aber das würde dem Abend nicht gerecht. Denn auch wenn ich mich da drin so zu Hause und wohl fühlte wie auf dem Zahnarztstuhl (der Tod jedes Metall-Musikers: 6 Stunden am Stück nur elektronischer “bum bum bum bum bum”-Sound im Vier-Vierteltakt bei 80bpm, zu dessen Rhythmus sich viele oberflächliche Modepüppchen zur Selbstbestätigung um anerkennende Blicke bettelnd wiegten und verdrehten), war es ein echt lustiger Abend, weil wir uns allesamt so richtig gediegen die Kante gaben und viel lachten. So gesehen definitiv wiederholenswert – aber unter anderen Umständen bringt mich niemand auch nur jemals wieder in die Nähe des Nektar.

Deswegen mein Fazit: sorry, aber wer so ein Heidengeld für die Verköstigung verlangt und auf der Homepage einen auf sowas von dicke Hose macht, von dem erwarte ich einfach fünf Klassen mehr Können als dieses lieblose Zusammenschustern von windigen Billigzutaten. Und auch wenn es vielleicht sonst “gaaaanz anders” schmecken und richtige Portionen serviert werden sollten oder sowas und wir echt nur einen schlechten Tag erwischt haben sollten – mit diesem hohen Anspruch, den das Nektar in der Werbung an sich selbst stellt, darf so etwas wie am Freitag einfach nicht passieren. Ich kann daher niemandem ruhigen Gewissens empfehlen, wegen des Essens dort hin zu gehen. Für diese Menge Moneten esst Ihr beispielsweise im Master’s Home zehnmal mehr und tausendmal besser (Rezession darüber fehlt leider, weil keine Zeit, aber beim SEO Stammtisch im Mai habe ich dort die mit Abstand besten selbstgemachten, mit Trüffel gefüllten und in Salbeibutter geschwenkten Ravioli meines Lebens gegessen – für schlappe 10.50€!).

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2 Kommentare

  1. Mit Rührung und Trauer habe ich Ihren Kommentar zum Peking gelesen. Wie haben wir die Abende bei Frau Chen im Peking bei wirklich geschmacklich wunderbarem Essen genossen und mit Frau Chen über unsere Erinnerungen an unsere Reisen durch China und die dortigen Erlebnisse gesprochen.
    Sie erzählte uns von den Schwierigkeiten, unter den gegebenen finanziellen Umständen das Lokal weiter zu betreiben.
    Wir bedauern es sehr, dass wir auf diese herrlichen Geschmackserlebnisse verzichten müssen.
    Ihr Kommentar zu der großen Chinabude beim Saturn hat uns doch etwas neugierig gemacht und veranlasst uns zu einem Vergleichstzest.
    Ihre Kommentare zu den anderen Ecken der Münchener Gastronomie haben uns sehr gefallen.
    Weiter so.
    Beste Grüße !
    Hans-J.Neumann

    • Hallöli! Späte Antwort, weil leider der Blog im Moment hinter den vielen anderen Projekten anstehen muss – aber leider habe ich keine Information über den Verbleib der Familie Chen… Sollte irgendeiner der Leser dieses Blogs wissen, ob und wo sie jetzt hoffentlich wieder kochen, würde ich mich wirklich sehr über einen Hinweis freuen!

      Was ich jedoch gestehen muss: die Qualität in der Bude beim Saturn ist deutlich gestiegen! Wir waren letztens mal wieder mit guten Freunden dort, weil es von der Fahrerei schön in der Mitte lag – und ich war überrascht! Zumindest im Buffet gibt es zwar immer noch mehr oder weniger Standardgerichte, aber die sind inzwischen deutlich besser als das, worüber ich meinen Verriss schrieb. Ich werde demnächst wohl mal wieder rein und danach eine aktualisierte Rezension schreiben müssen.

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