LUKUHLUS – der LOHAS-Pirat

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Morgen fang ich ein neues Leben an!

Die Natur verändert sich ständig, der Himmel fast jede Minute - auch der Mensch sollte über Veränderungen öfter nachdenken.

Die Natur verändert sich ständig, der Himmel fast jede Minute - auch der Mensch sollte öfter über Veränderungen nachdenken.

Es ist so weit – ich kann endlich darüber bloggen, weil alles unter Dach und Fach ist. Mein Leben hat sich letzte Woche radikal verändert. Ich habe Entscheidungen getroffen, die ihre Auswirkungen auch noch in zig Jahren zeigen werden – und mir geht es seitdem bedeutend besser.

Wenn ich so zurückdenke, ist das jetzt das vierte große Umkrempeln in meinem Leben. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Menschen habe ich eigentlich kein großes Problem damit. Im Gegenteil – ich mag zwar natürlich die Sicherheit von Altbewährtem, aber der Reiz des Neuen ist einfach immens. Nicht zuletzt deswegen denke ich eigentlich regelmässig in den Tagen um meinen Geburtstag (25. September) darüber nach, was denn im vergangenen Jahr so alles passiert ist, wo ich damals stand, wo ich heute stehe und wo ich in einem Jahr stehen möchte. Für viele ist Geburtstag “Hauptsache Party” und mit Freunden feiern und sich wegkippen oder zumindest im entsprechend ausgewählten Kreis feiern oder sowas – für mich sieht meine Wunschvorstellung von Geburtstag hingegen so aus, dass ich allein auf einer Bergspitze (oder auch am Meer, so wie in Büsum) sitze und einfach über mein Leben nachdenke.

Der frühe Lukuhlus

Meine erste, einschneidende “Krise” hatte ich mit etwa 19. Damals war ich mit dem Zivildienst fertig, stand wieder wie davor in der Audi an einer vollautomatischen Schweiss-Anlage und dachte mir irgendwie, dass das doch nicht alles gewesen sein kann, was das (Berufs-)Leben mir zu bieten hat. Stumpf in einer Werkshalle mein Dasein fristen, minutengenaues Arbeiten nach der Stechuhr sowie im Takt der Maschinen, mit Ende 30 dann die gesundheitlichen Folgen und das Bildungsniveau der Bild-Zeitung – nein Danke, das war echt nichts für mich. Also schmiss ich gegen den dringenden Rat meiner damaligen Freundin einfach alles hin. Und sie gleich mit dazu, denn ihr schwebte ein ruhiges Hausfrauenleben vor, d.h. ich sollte doch weiterarbeiten, damit wir uns so bald wie möglich ein Häuschen bauen und Kinder großziehen können, so wie alle anderen es doch auch tun. Ich wollte aber wieder auf die Schule gehen. Das Abitur nachholen. Irgendwas aus meinem Leben machen, das aus mehr besteht als aus Roboterarbeiten und dem üblichen “schaffe, schaffe, Häusle baue”. Also meldete ich mich für die FOS an – und lernte zur gleichen Zeit meine spätere Frau kennen. Aus heutiger Sicht also alles andere als eine falsche Entscheidung.

Lukuhlus, der Eigenbrötler

Die zweite große “Krise” bekam ich mit Mitte 20, als ich im Tech Support einer Softwarefirma saß, in die ich über FOS, BOS und abgebrochenes Studium hineinrutschte. Als ich dort anfing, hatte ich 20 Minuten zur Arbeit und es war sehr Linux-lastig. Dazu viele harte Nüsse, die ich an der Hotline knacken durfte – ein Traumjob. Nach 3 Jahren wurde die Linux-Produktlinie aber extrem zurückgefahren, der Schwenk in Richtung Midrange und Mainframes gemacht (eine Welt, in der ich mich nie wohlfühlte) und vor allem das Büro ans andere Ende von München umgezogen. Fast ein Jahr lang düste ich dann noch jeden Tag fast 100km von Freising nach Unterhaching und abends wieder zurück, was aber trotz Firmenwagen irgendwie auf Dauer kein Spaß mehr war. Also reifte der Entschluss – ich mach mich als Web-Entwickler selbständig! Gesagt, getan. Und in Folge dessen hatte ich zwar auch einige sehr harte, weil brotlose Zeiten zu überstehen und die Landung war auch recht hart, als die gesamte Branche 2002 kollabierte, aber insgesamt war es eine unbezahlbare Erfahrung, weil ich dabei natürlich auch Fehler machte, die ich nie mehr machen werde und deshalb vielleicht sogar besser zum Geschäftsführer taugen würde als manch anderer, dem diese Erfahrungen noch fehlen.


Lukuhlus, der Junggebliebene

Vor rund 6 Jahren kam dann die nächste große “Krise”. Denn eigentlich war ich in meiner Beziehung überhaupt nicht glücklich. Allerdings redete ich mir das Gegenteil ein. 10 Jahre waren wir damals zusammen, heirateten schlussendlich doch, weil wir das Gefühl hatten, dass wir es zusammen sicher gut bis an unser Lebensende aushalten würden – und dann stand auf einmal meine Traumfrau vor mir. Und mit ihr die Erkenntnis, dass ich einfach mit der völlig falschen Frau zusammen bin. Diese Zeit war alles andere als einfach, aber nach einigen Wochen entschloss ich mich eben doch dazu, den Schritt zu wagen, mich von meiner Frau zu trennen und ein völlig neues Leben mit meiner 13 1/2 Jahre jüngeren Göttin zu beginnen. Und im Endeffekt habe ich dadurch sogar wieder ein viel besseres Verhältnis zu meiner Ex-Frau bekommen (wir hängen nicht viel zusammen, da sie 400km weit weggezogen ist, aber wenn wir uns mal schreiben oder telefonieren, passts einfach so, als wären wir alte Kumpel, wobei wir das ja tatsächlich sogar sind) – und die Erfüllung all meiner Wünsche, was die Beziehung angeht.

Lukuhlus, der Karriere-Mensch?

Und jetzt ist es eben wieder so weit. Ich habe letzte Woche die Musik aufgegeben – und den Job gewechselt. Jedes für sich genommen für manchen bereits ein einschneidendes Erlebnis. Aber ich habs kombiniert.

Ein Leben ohne Musik?

Irgendwie hat die Musik an sich noch wahnsinnig Spaß gemacht. Die Konzerte waren und werden immer schön sein. Ein cooles Lied im Proberaum runterzuknüppeln macht auch wahnsinnig Spaß. Und im Studio zu werkeln und mitzubekommen, wie Stück für Stück aus einem durchsichtigen Brocken Stein ein richtiger Brilliant wird, ist sowieso unbeschreiblich. Seit 23 Jahren spiele ich jetzt Gitarre und war über 20 Jahre davon in einer Band. Bei Dead Emotions war ich jetzt geschlagene 8 Jahre und das war die beste Truppe aller Zeiten. Wir haben zwei wirklich gute Alben aufgenommen, dutzende Hammer-Konzerte gespielt und hatten generell immer mächtig viel Spaß zusammen. Und ich bin verdammt Stolz darauf, dass ich meinen Teil dazu beitragen durfte, aus dieser Band das zu machen, was sie heute ist.

Was mir aber eben inzwischen überhaupt keinen Spaß mehr macht, ist das ganze nötige Vorgeplänkel zum Musik machen. Üben, komponieren, arrangieren und nochmal üben. Das ist ein für reine Hörer unvorstellbar großer Zeitaufwand, wenn man es halbwegs gut machen will, so dass es Nicht-Musiker wohl auch nicht verstehen werden. Aber ich finde jedenfalls, dass ich an einem Punkt in meinem Leben angekommen bin, wo ich diese Zeit lieber mit anderen Tätigkeiten genieße als damit, allein oder zu fünft entweder im stillen Kämmerlein oder in einem muffigen Keller-Proberaum zu sitzen. Und wenn ich aber diese grundlegende Arbeit nicht mehr genieße, sondern als lästige Pflicht empfinde, dann geht daran der Spaß an der Musik flöten. Denn schließlich ist man mehr mit dieser Arbeit beschäftigt als damit, die Früchte davon in Form eines Konzerts oder einer CD zu ernten.

Und deswegen werde ich noch ein paar Gigs mitspielen, bis ein Nachfolger entsprechend eingespielt ist – und dann bei einem Abschiedskonzert nochmal so richtig Gas geben. Allerdings werde ich anschließend nicht komplett aus dem Business sein – aber eben nicht mehr auf der Bühne. Zumindest nicht zum spielen. Aber ich werde den Merchandising-Verkauf machen. Und Roadie. Und sicher auch mal Chauffeur. Und überhaupt so eine helfende Hand sein, die man sich als Amateur-Musiker immer wünscht, was aber keiner machen will, wenn man ihn nicht dafür bezahlt. Und genau darum gab es auch keinerlei Gezeter oder sowas, als ich meinen Entschluss bei der letzten Probe kund tat – im Gegenteil. Wer auch immer nach mir kommt, wird technisch sicher fitter sein als ich alter Sack, der früher zu faul zum üben war und heute deswegen nicht gerade der beste Gitarrist ist – aber wir werden ein eingeschworener Haufen Kumpels bleiben, der noch viel zusammen erleben und im Altersheim mal kichernd über die guten alten Zeiten reden wird…

Let’s do business!

Ein weiterer Grund, mich aus dem Musikerleben zurückzuziehen ist auch der, dass mir der Beruf immer weniger Zeit und Motivation für dieses Hobby übrig ließ. Vor allem, weil mich da jetzt schon länger eine neue Herausforderung reizte und es eher unwahrscheinlich ist, dass ich jemals wieder so viel Zeit zum schraddeln haben werde wie ich das als Schüler, Student oder Selbständiger hatte. Im Gegenteil ist meine Motivation jetzt also diejenige, nach der “gescheiterten” Musik-Karriere wenigstens noch “richtig” Karriere im Job zu machen. Denn die wird mir im Gegensatz zur Musik vielleicht tatsächlich noch den einen oder anderen Traum erfüllen, der nun mal nur mit Geld erreichbar ist.

Und deswegen werde ich zum 15. Oktober meinen neuen Posten als Senior Manager Search Marketing bei swoopo antreten. Es ist wohl unnötig zu sagen, dass ich mich tierisch auf diese Herausforderung freue? 

Also auch wenn natürlich die Praxis noch zeigen muss, dass ich mit meinem Gefühl (so wie früher auch) richtig liege – ich glaube, an meinem nächsten Geburtstag nächstes Jahr werde ich zurückblicken und wissen, dass es genau richtig war, mein Leben hier und jetzt so dermaßen zu ändern und in “bessere” Bahnen zu lenken…


Und wovon träumst Du?

Was mich jetzt auch zum Abschlussgedanken dieses Eintrags bringt: wovon träumst Du denn, lieber Leser? Welche “Zwänge” verfolgen Dich, welche “Altlasten” schleppst Du mit Dir rum? Welche Gewohnheiten spulst Du ab, obwohl Du sie unbewusst schon fast eher als Last denn als Quell der Freue empfindest? Und welche Träume bringen Dich zum sehnsüchtigen lächeln?

Und jetzt eben die Gretchenfrage: was tust Du dagegen/dafür? Beziehungsweise: warum tust Du NICHTS?

Klar, die meisten werden bei der Frage nach den Träumen einfach nur “Kohle!” schreien. Aber ich meine es eigentlich weitaus philosophischer. Sicher ist das Materielle ein nicht unbedeutender Zwang – aber ist der Straßenkehrer, der mit seiner “niederen Tätigkeit” an sich zufrieden ist und ein gutes Auskommen hat, im Endeffekt nicht sogar ein glücklicherer Mensch als der Vorstand, der vor lauter Arbeit nur 3 Stunden pro Woche wirklich Zeit dazu hat, sein Geld auch zu genießen und selbst da mit dem Hinterkopf noch oft in Gedanken an die Arbeit abschweift?

Doch ich meinte ja eigentlich auch eher abseits der Arbeit – ich kenne so viele Menschen, die mit ihrem Leben unzufrieden sind, es primär auf das Geld oder die Arbeit schieben, aber wenn man ihnen genau zuhört, stellt man fest, dass sie eher mit sich selbst grundlegend unzufrieden sind. Weil sie nicht das Gefühl haben, etwas wert zu sein in dieser Welt. Und weil sie auch gar keine Idee (mehr) haben, wie sie sich selbst wieder solchen Wert verschaffen können. Dabei ist doch auch das nicht wirklich schwer? Man muss nur klein anfangen.

Wie genau – das ist wiederum eher der Job von Psychologen und Lebensberatern und manchmal sogar wirklich der Arbeitsagentur bzw. Headhunter-Firmen. Oder des eigenen Gehirns. Wenn man sich einfach mal nur in Ruhe zurückzieht und nachdenkt, wird einem vieles klar werden. Wir hören nur in unserer multimedialen, schnelllebigen Zeit einfach viel zu wenig in uns selbst hinein. Wir sind permanent mit Information zugedröhnt und wenn wir uns tatsächlich mal in einem ruhigen Moment erleben, greifen wir sofort erschreckt zum Radio, zum Fernseher oder zu sonst irgendwas, mit dem sich unser Gehirn beschäftigen kann.

Wir wollen unterhalten werden – uns selbst zu unterhalten, mit unserer eigenen, inneren Stimme ein Zwiegespräch führen, das wollen wir nicht. Denn es könnte ja auch weh tun. Und dieser kurze Schmerz über eine Erkenntnis macht uns mehr Angst als uns die lange Freude über einen daran anknüpfenden, erfolgreich umgesetzten Plan Mut machen würde.

Und wenn nicht morgen, dann übermorgen…

Wunderbar in Musik verpackt hat dieses ganze Dilemma meines Erachtens nach die Erste Allgemeine Verunsicherung bereits vor mehr als 20 Jahren. Obwohl der Text auf einen Alkoholiker zugeschnitten ist, beschreibt er wie ich finde brilliant die Spirale aus Wollen und Ohnmacht, in der man sich oft befindet, wenn man sich nicht wohlfühlt und eigentlich schon ahnt, was man eigentlich dagegen tun könnte/sollte/müsste – es aber aus Angst vor der Veränderung oder auch einfach nur aus simpler Routine und “aber es war doch schon immer so” vor sich herschiebt:

(Leider ist der Fade-Out am Schluss zu schnell und die Quintessenz nicht mehr zu hören, also wer das Lied nicht kennt: “…such ich mir einen, der nicht nur saufen kann”)

Ich kenne das Lied, seit es damals erschien, habe es aber sicher fast 20 Jahre nicht gehört. Bis es in der dritten Nacht auf Wacken unverhofft aus der Anlage unserer Zeltnachbarn dröhnte und mir wie eine Offenbarung die Augen öffnete. Mein Problem war zwar nicht der Alkohol (also konkret in dieser Nacht schon, aber so generell eben nicht), aber der ganze Trott, in dem ich mich seit Jahren bewege und der mehr Frust als Lust erzeugte.

Also warum immer nur alles auf “übermorgen, oder zumindest irgendwann” schieben, wenn man doch morgen schon glücklich sein kann?

Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. 

Was wirst Du jetzt also tun?
Lässt Du Dich weiter vom Leben schmieden?
Oder greifst Du selbst zum Hammer?

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6 Kommentare

  1. Ich hätte da ein anderes Lied für dich. Find ich viel passender .. ;)

    cu, w0lf.

  2. Ich verzettel mich hier bei Dir *ggg*. Die Abschluss-Szene der EAV durfte ich sogar mal live miterleben. Das obligatorische Tablett mit dem Frischgezapften war entsprechend der Region bestückt (ansonsten, glaube ich, Puntigamer :-) ). Na, und das Prost “München” – wie hier – wurde dann natürlich auch variabel eingesetzt ;-) .

    Was habe ich danach gesucht und nicht gefunden, denn Dein aufgestöbertes Video ist das Original.

    • Hehe. So solls sein. Die Lesefalle Lukuhlus… :D

      Aber da werd ich jetzt fast neidisch. Bisher hab ich es noch nicht geschafft, die live zu sehen – und ich bin mir auch nicht wirklich sicher, ob die in der heutigen Form noch so cool sind wie damals. Ach, mal sehen. Ab und zu tingeln sie ja noch durch die Lande. Wegen des Videos habe ich aber wirklich ewig gesucht, um ein Original zu finden. Bei YouTube gibts zwar zig Versionen, aber die meisten sind nur so selbstgemachte Home-Videos, also das Lied läuft und dazu gibts irgendwelche Dia-Shows eigener Feten.

      • Moin moin, und vielen Dank auch für Deine Mail :-) .
        Ich freue mich schon auf Deine Hilfe und Tipps, lasse Dir ruhig Zeit.

        Meine beiden angesprochenen EAV-Konzerte waren in den 80ern, und zwar die Neppomuk-Tour. Zunächst war ich damals in Ulm dabei, später dann nochmal in der Düsseldorfer Philipshalle. Was die an Bühnenshow gebracht hatten, alleine die vielen kleinen Einzelheiten, die man teilweise eher zufällig entdeckte, war schon klasse.

        Zu den Tourdaten (und noch mehr Infos) empfehle ich die offizielle Seite des EAV-Fanclubs (war ich auch mal Mitglied): http://www.eav.at/

        Tschö
        Nobbi

  3. Einschneidend war in letzter Zeit bei uns die Geburt unserer 2. Tochter. Jetzt genieße ich das Mama-Sein, ehe ich nächstes Jahr wieder arbeiten gehe. Dir viel Erfolg im neuen Job!

  4. Ja, die EAV – das Lied gabs in einem Lokal als “Rausschmeiss-Lied”, passend. (das Video hatte ich gerade gesucht und bin so hier gelandet).

    Was im Leben ändern: hab auch schon öfters gewechselt, jetzt bei Utopia.de die perfekte Zusammenstellung gefunden: was und wofür ich es mache passt 100%.
    Und mein Lebensstil ändert sich Schritt für Schritt. Dabei denk ich auch an einen Strassenkehrer, den von Momo.

    :-) Werner

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