LukUHLischer Urlaub 2009 – Teil 2: Wacken

20 Jahre Wacken - und wir waren bei der Geburtstagsparty!
WAAAAAACKÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖN!
Seit fast einem Jahr hatten wir schon die Karten. Seit Weihnachten galt das Festival als ausverkauft. Über 70 Bands sollten sich an diesem Wochenende die Ehre geben, zum 20jährigen Jubiläum dieses Kult-Festivals aufzuspielen. 75.000 Verrückte aus der ganzen Welt wurden erwartet, um die größte Metal-Party dieses Planeten zu feiern. Grund genug also, sich auf dieses Erlebnis zu freuen.
Mit entsprechender Erwartung und vermeintlich gut ausgerüstet brachen wir also am 28. Juli gen Wacken auf. Da wir die Tage vorher schon in Hamburg verbrachten, war die Anfahrt ja nicht mehr weit. Also am späten Vormittag gemütliche Abfahrt Richtung Nordwesten, um spazierenfahrenderweise noch ein bisschen was vom Alten Land zu sehen, mittags kurze Einkehr bei McDonalds (*hüstel* – ja, ich weiß, ich wurde schwach… Aber die Vorstellung, jetzt dann für 6 Tage keine saubere Toilette mehr zu sehen und deswegen diese “Gelegenheit” noch zu nutzen überwog dann doch den Drang, erst noch lange nach einem richtigen Restaurant zu suchen) und anschließend ab nach Wacken!
Just in dem Moment fiel uns ein, dass wir ja eigentlich noch Bier mitnehmen wollten. Aber alles, was wir in der Umgebung fanden war eine kleine Aral-Tankstelle, wo es nur Flaschen-Sixpacks gab. Nö, also wenn dann entweder zwei, drei richtige Kästen Bier oder aber erträgliche Paletten Dosenbier. Mit Sixpacks wären wir ja nicht mal über den ersten Tag gekommen. Naja – irgendwo wird schon noch eine Gelegenheit auftauchen…
Zollkontrolle – ja, was sind denn wir für Bayern?!
Bei Itzehoe wurde ich dann erst mal geblitzt. Verdammt. Aber beängstigend schnell war ich auch wieder nicht. Außerdem außerorts auf einer autobahnähnlich ausgebauten Bundesstrasse. Warte allerdings immer noch auf den Schrieb. Bin ja mal gespannt.
Etwa in der Mitte zwischen Itzehoe am Ortsausgang eines kleinen Kaffs aber – eine Gestalt im grauen Kampfanzug mit Kelle, die uns auf einen Parkplatz winkte. Zollkontrolle. Und am Rande des Parkplatzes wohl die gesamte Dorfjugend (Ferienzeit) sowie ein paar Anwohner, die sich dieses Schauspiel nicht entgehen lassen wollten.
Aber wir hatten ja nichts zu verbergen, also erwiderte ich das beherzte “Moin” des Beamten mit einem ebenso beherzten, von meinem freundlichsten Lächeln begleiteten “Griaß’eana!”. Seine Augen erhellten sich und er erklärte kurz, dass sie hier jetzt nach Drogen, Waffen und anderen unerlaubten Dingen fahndeten und fragte sehr freundlich nach dem Üblichen, also Führerschein und Fahrzeugpapiere. Kein Problem – diesmal wusste ich sogar auf Anhieb, wo ich diese in meinem Geldbeutel versteckt hatte.
Ein Kollege trat hinzu und bat uns, auszusteigen – auch kein Problem. So lange Beamte so freundlich und gut gelaunt sind, wie die es waren, habe ich überhaupt kein Problem mit der Exekutive. Im Gegenteil. Auch als er dann fragte, ob er in die Taschen und generell den Kofferraum kurz reinsehen dürfte – ich gab ihm nur den Tipp, bei dieser Plastiktüte etwas vorsichtig zu sein, da wir schon drei Tage unterwegs waren und sich unsere gesammelte Schmutzwäsche darin befand. Wofür er sich lächelnd bedankte – möchte nicht wissen, in was man in diesem Job so aus Versehen manchmal reinfasst…
Nach ein paar Minuten Smalltalk, Personalien-Prüfung und Gepäck-Observation dann aber plötzlich ein verdutztes Gesicht des stöbernden Beamten! Er sah uns erschreckt an und meinte mit todernster Miene – “mir fällt gerade auf: haben Sie gar kein Bier dabei???”
Als wir das verneinten, sahen die beiden Beamten erst sich und dann uns fassungslos an und meinten nur noch, wir seien die ersten, die sie kontrollierten, die noch nicht mal eine einzige Dose oder Flasche dabei hätten. Und was wir denn für Bayern sind, wenn wir ohne Bier nach Wacken reisen?!
Peinlich. Und noch peinlicher wurde es, als einer der Beamten diese Tatsache auch noch den etwa 20 etwas am Rande herumlungernden restlichen Beamten zurief. “Wat???” – “Gibbet nicht!” – “Die ham’ das sicher in irgend’nem Schmuggel-Versteck” und ähnliches schallte daraufhin von dort zurück…
Freundlich wie die Beamten waren, klärten sie uns dann aber auch gleich noch darüber auf, dass der nächstgelegene Supermarkt wirklich der in Wacken sei und wir wohl oder übel erst dort etwas bekämen. Ziemlich amüsiert ließen sie uns dann also weiterfahren…
Wacken, das Dorf
Der erste Eindruck von Wacken selbst war – herrje, das Kaff ist ja echt nicht größer als mein verschlafenes Haag an der Amper. Aber mit dem großen Unterschied: als wir am frühen Dienstag Nachmittag und damit sogar noch Stunden vor der eigentlich offiziellen Eröffnung des Campinggrounds (Mitternacht von Dienstag auf Mittwoch) eintrudelten, platzten die Straßen schon aus allen Nähten. Schwarzbekleidete Langhaarige, wohin das Auge blickte. In nahezu jedem Vorgarten fanden sich Bars, Biergarnituren, Imbiss-Möglichkeiten – und einer bot im Haus sogar eine private Striptease-Show für 30 Euro an. Und überall lief gute Mucke in voller Lautstärke.
Mittendrin dann immer wieder die eigentlichen Einwohner dieses Kuhdorfs. Die aber allesamt gut gelaunt waren und fleißig mitmachten. Sowohl organisatorisch als auch was die Party angeht. In einem Vorgarten sah ich sogar wirklich das klassische Bild: ein von oben bis unten zu-tätowierter und -gepiercter Kerl mit Haaren bis zum Hintern und in fiese schwarze Klamotten gekleidet unterhielt sich freudig und angeregt mit einem mindestens genauso amüsierten Rentner, der da in seiner beigen Sommerhose und anständigem hellen Hemd und Hut saß. Man zeige mir bitte irgendein anderes Festival oder sonstige Lokalitäten, wo SO etwas möglich wäre…?
Dann aber: ich habe ihn ja schon oft im Fernsehen gesehen – den kultigen, kleinen Edeka-Laden mitten in Wacken. Der zweimal im Jahr sein gesamtes Sortiment austauscht. Denn während des Festivals ist garantiert keiner an den üblichen Waren des Marktes interessiert. Da zählen nur Bier, Wasser, Limo, Cola, harte Spirituosen, Grillkohle, Fleisch, Brot und sonstiger Camping-Bedarf. Aber für diesen Umsatz würden sie glaube ich auch alle zwei Wochen die Arbeit auf sich nehmen, umzuräumen…
Es war echt gut was los da drin. Und die Stapel Bierkisten gingen genauso schnell weg, wie ein etwas überarbeitet aussehender junger Angestellter sich bemühte, Nachschub ranzukarren. Ich weiß gar nicht, wo die diese Unmengen überhaupt lagern konnten? Ich glaube ja, die haben für diese Tage eine explizite LKW-Shuttle-Linie eingerichtet, die stündlich zwischen den Brauereien und dem Edeka-Laden pendelt.
Die Bierauswahl an sich war dann – nun ja. Astra halt. Und Heineken. Und Jever. Bäh. Flachbier für Flachköpper. Dann entdeckte ich aber Flensburger Pilsener in der klassischen Plopp-Flasche. Ja, das musste her. Denn an das erinnere ich mich mit Freuden, weil es einfach echt gut schmeckt. Auch wenn es nur 0,33er Flaschen waren. Mein an 0,5 Liter oder eigentlich sogar Maßkrüge gewöhnter Bierdurst fühlte sich jedenfalls enorm überdimensioniert in den Tagen da oben…
Meine kleine Göttin spekulierte hingegen auf Astra. Ihr schmeckte es auch halbwegs. Also warum auch nicht. Dass sie aber wegen echt schlecht gemachter Etiketten aus Versehen keinen Kasten Astra Vollbier sondern Astra Alsterwasser kaufte – das merkten wir leider erst auf dem Campingplatz. Fragt also nicht, wie groß die Belustigung über diesen Fehltritt war. Der sich allerdings im Nachhinein sogar als sehr glücklich erwies, da in den folgenden Tagen immer wieder mal jemand kam und meinte, er könnte jetzt für ein kühles Radler sterben oder sogar zwei normale Bier eintauschen. Im Endeffekt haben wir auf diese Weise ungefähr drei Viertel des Kasten gegen “echtes” Bier eingetauscht. Hah, es lebe der Geschäftssinn…!
Sind Sie noch fahrtüchtig?
Bevor wir unser Lager aufschlagen konnten, verfuhren wir uns aber natürlich noch. Ich habe auch bis heute noch keine Ahnung, wie das ganze von oben, in Karten-Ansicht aussehen würde. Mir schien, wir fuhren einmal komplett um das gesamte Gelände rum und hätten eigentlich genau am anderen Ende von Camping Ground C, wo unsere Freunde schon warteten, reinfahren sollen. Genau diesen letzten Einweiser haben wir aber verpasst, also umdrehen, zurückfahren – und mitten rein in die zweite Kontrolle des Tages…
Diesmal aber nicht nur mit Zoll, sondern mit Polizei. Der Zöllner war zwar erst mal fassungslos, das wir jetzt zum zweiten Mal rangenommen wurden, aber meine Erklärung, wer so doof ist, sich zu verfahren und umkehren zu müssen, der verdiene es nicht anders, amüsierte den guten Mann anscheinend. Er glaubte uns jedenfalls, dass unser Auto schon “sicher” sei – also übergab er mich in die freundlichen Hände seines Kollegen von der Polizei.
Dieser meinte dann, er würde jetzt einfach nur kurz meine Fahrtauglichkeit feststellen, um sicherzugehen, dass ich nicht schon besoffen oder bekifft oder anderweitig zugedröhnt rumfahren würde. Also ließ ich zum ersten mal einen solchen “Depperltest” über mich ergehen. Also das berühmte Augen zu und Finger an die Nase. Was natürlich kein Problem war.
Als er dann aber meinte, ich solle jetzt den Kopf in den Nacken legen, die Augen schließen, 30 Sekunden zählen und dann Bescheid geben, wenn ich bei 30 bin, flammte innerer Triumph in mir auf. Hah, Du Nichts von Laie – mach sowas nicht mit einem Musiker, wenn er nüchtern ist!
Prompt zählte ich halt wirklich EXAKT 30 Sekunden, nicht nur so ungefähr, denn 120bpm oder überhaupt jegliches Vielfache von 60 sind Musikern einfach ins Zeitgefühl eingraviert, wenn sie diesen Scheiß schon über 20 Jahre machen. Ich genoss es jedenfalls, nach meinem “jetzt” seinen sichtlich verdutzten Blick ein paar mal zwischen mir und seiner Stoppuhr hin- und her-irren zu sehen. Gotcha, Mr. Policeman!
Alles in allem lief also auch diese Kontrolle so freundlich ab, wie ich es noch nie erleben durfte. Hut ab deswegen generell vor all den Beamten, auch später während des Festivals, als mehrere Dutzend Polizisten regelmässig patroullierten. Würden sich die Kollegen in den restlichen Bundesländern bei ihren Streifen und Kontroll-Einsätzen auch nur eine winzige Scheibe von Eurer Einstellung, Eurer guten Laune und Eurem Humor abschneiden, gäbe es viel weniger Ärger mit patzigen Zivilisten. Garantiert!
Wacken – das Festival
20jähriges Jubiläum. Da konnte man viel erwarten. Aber gehalten wurde es zumindest für mich leider überhaupt nicht. Das Billing war stinklangweilig. Sicher, es waren etliche verdammt große Namen da und es erinnerte teilweise an eine Hall of Fame. Aber mich interessieren nun mal nicht die ganzen Helden der Altrocker, weil mich deren Musik einschlafen lässt. Und auch wenn es vielleicht meine letzte Chance war, Dio live singen zu sehen – das ist sicher nichts, wo ich mich dereinst am Totenbett über eine verpasste Chance grämen werde. Gleiches gilt für die Abschieds-Show von Running Wild. Und Saxon. Und Motörhead. Alles ganz illustre Namen, aber eben nichts für meinen Geschmack, der ein wenig mehr Reiz braucht als stundenlanges rumgeruppe im 4/4-Takt bei 120bpm.
Und was das ganze Metalcore-G’schwerl angeht – nein danke. Die Musik an sich ist da ja teilweise gar nicht mal so schlecht, aber die Anhängerschaft…? Lauter so Halb-Möchtegerns, die weder Fisch noch Fleisch sind. Mit echtem Metal, also der Lebenseinstellung, die dahintersteckt und die gemeinsamen Werte, die uns miteinander verbinden und zu einer so starken, friedlichen Gemeinschaft machen, hat das echt nichts zu tun. Das ist eine andere Welt, die irgendwie nicht wirklich zu Wacken passt. Zwar waren glücklicherweise auch nicht so viele dieser Idioten da, aber eine Fraktion eben leider genau direkt neben unserem Zeltplatz. Doch dazu später mehr…
Das absolute Highlight des Festivals war aber hingegen die Show von Nevermore. Wahnsinn. Eine halbe Stunde Gänsehaut am Stück. Lange wollte ich sie schon mal sehen, aber dass sie live so dermassen Arsch treten hätte ich echt nicht erwartet. Und als sich bei “Heart Collector” auch tatsächlich geschätzte 10.000 Pärchen im Publikum in die Arme fielen und selbst die übelst böse aussehendsten Metaller mit feuchten Augen und ihrem Schatz im Arm gerührt
Nevermore to feel the pain
The heart collector sang
And I won’t be feeling hollow for so long
Nevermore to feel the pain
The words fall out like fire
Just believe when you can’t believe anymore
mitsangen – das war schon ein Erlebnis der ganz, ganz besondern Art…
Ansonsten musste ich aber natürlich Napalm Death sehen. Mit einem Frühstücks-Bierchen, denn das hatte ich meinem besten Kumpel versprochen. Und auch Testament waren überraschend wuchtig. Darüber hinaus aber…? Naja… Nicht mein Musikstil eben…
Magste ‘ne Bierbong?
Nun also am besten ohne Überleitung zu den Kritikpunkten. Bei denen an oberster Stelle die schon erwähnte Truppe der Idioten steht. Da kann das Festival zwar nix dafür, aber ich wünsche mir, in Zukunft weit weg von solchen Dummköpfen zu sein.
Konkret geht es um eine Horde Abiturienten aus Hamburg, die auf Wacken etwas nachfeiern wollten, bevor es an den Ernst des Lebens geht. Das erschreckende war nur: also ich verstehe unter Feiern irgendwie etwas anderes. Definitiv nicht dazu gehört auf jeden Fall das Abfackeln von Campingstühlen und sonstigem brennbarem Material und das sinnlose Komasaufen mit Bierbongs.
Sich nicht auf Wacken zu betrinken ist zugegeben fast unmöglich. Auf einem Festival läuft das Bier in Strömen und das auch noch gut. Man verträgt komischerweise deutlich mehr und kann also gut und gerne auf Mengen kommen, wo man zu Hause im Biergarten schon nach der Hälfte von der Bank kippt. Das aber mit Würde. Und nicht so peinlich wie dieser Haufen Hamperer.
Bereits am frühen Morgen wurde da der Trichter ausgepackt, um sich bereits vormittags jeder so 3-4 Liter Bier einzuspritzen. Von trinken kann da ja nicht mehr die Rede sein. Da ging es echt nur noch darum, sich in der kürzestmöglichen Zeit die größtmögliche Menge Alkohol einzuflössen, um dann erst mal für ein paar Stunden hackedicht rumzustolpern und am späten Nachmittag und teilweise auch noch spät Nachts die gleiche Prozedur zu wiederholen. Um auf Level zu bleiben.
Was an sich ja auch ok wäre, denn das ist jedem seine eigene Sache. Toleranz ist schließlich einer der wichtigsten Charakterzüge eines Metallers. Allerdings auch nur so lange, wie die eigene Persönlichkeit dabei respektiert wird. Und genau das taten diese Jungs eben nicht. Hemmungslos wurde da von uns Bier geschnorrt, weil sie ja wieder mal grad keines hatten. An sich ja auch nicht soooo schlimm – aber der Anstand gebietet, sich dafür wenigstens zu revanchieren. Also nach 10 geschnorrten Bieren mal selber einen Kasten hinzustellen und zu sagen “so, den trinken wir jetzt zusammen” oder so. Aber nein, auf solche Ideen kam dieser Haufen gar nicht.
Genauso schnorrten sie sich ungefragt Wasser von uns, benutzten ungefragt unsere Campingstühle und unseren Tisch, setzten sich unaufgefordert zum Essen zu uns und so weiter. Wie Ungeziefer. Parasiten. Lästig und schwer loszubekommen. Denn gegen Heuschrecken helfen keine Worte, nur Pestizide. Genauso wie bei diesem Trupp. Worte, dass sie sich verpissen und uns in Ruhe lassen sollen, waren irgendwie nutzlos. Die kamen einfach immer wieder und bauten unbeirrt weiter Scheiße.
Jungs, die Kacke, die Ihr da abgezogen habt, ist einfach nur dumm und nicht “Metal”!
Den Gipfel der Idiotie erlebten wir allerdings schon nach der zweiten Nacht. Der Sturm hatte ihren Pavillon beschädigt. Noch nicht mal unreparierbar, aber eine der oberen Querstangen war gebrochen. Was macht also der findige, intelligente Abiturient? Klar: sich Gaffa-Tape von einem der vielen anderen Zeltlager besorgen und das Ding flicken? Hah – weit gefehlt! Diese Mannen beschlossen, dass es doch viel lustiger sei, den an sich noch gut erhaltenen Pavillon in Stücke zu hacken und zu reißen und sich aus den Fetzen und Stangen erstens einen eigenen Fahnenmast und zweitens einen Drachen zu bauen. Denn wer braucht in Wacken schon einen Unterschlupf? Dafür hat man doch Nachbarn, deren Pavillon man ungefragt mitnutzen kann, wenn es zu regnen beginnt oder die Sonne runterbrennt. Idioten. Mehr kann ich dazu nicht mehr sagen. Dass solche hirnlosen Deppen tatsächlich Abitur bekommen haben – ich bin schockiert über unser Schulsystem.
Duschen – oder lieber Natursekt-Party?
Was mich auch störte, waren die Duschen auf dem Gelände. An sich zwar schon zweckdienlich, aber für 2,50 Euro pro Dusche erwarte ich eigentlich wirklich deutlich mehr. Eigentlich hätte man ja sein Geld zurück verlangen sollen. Aber wir Langhaarigen sind halt einfach ein viel zu friedliches Völkchen, mit dem man viel zu viel machen kann, bevor da einer überkocht…
Normalerweise hat man auf einem Festival das Problem, dass die Duschen entweder total überfüllt sind, man nur kaltes Wasser bekommt oder sie aber vor Dreck nur so strotzen. Also habe ich mich auch auf derartige Zustände eingestellt – bis ich vorab auf der Website noch las, dass man sich dieses Problems heuer besonders annehmen und eine professionelle Firma damit beauftragen will, die die Duschen und auch die Bezahl-Toiletten in Schuss hält. Die Gebühr sei also fair und ihren Preis wert.
Naja. Also was die Duschen angeht – überfüllt waren sie natürlich zu den üblichen Stoßzeiten morgens, bevor die erste Band loslegte. Aber ich ging zweimal am späten Nachmittag und einmal mittags. Und nur Mittags musste ich kurz warten.
Was allerdings eine Frechheit war: der Wasserdruck. Also dieses Rinnsal, das da aus der Brause kam – mein erster Gedanke war wirklich, dass mir da jetzt jemand auf den Kopf pinkelt. Obwohl ich mir vorstellen kann, dass selbst da noch mehr rauskommt.
Und die Temperatur – alles andere als kalt. Eigentlich im Gegenteil viel zu heiß! Gerade am Mittwoch, als ich mir nachmittags einen kleinen Sonnenbrand holte – die Hölle! Vor allem nervte, dass man keine Chance hatte, die Temperatur zu regulieren.
Doch das schlimmste war und blieb der Dreck auf dem Boden. Also da, wo man sich umzog. Dass sich da mal Haare sammeln und dass es allgemein nass ist, lässt sich nicht vermeiden, das ist klar. Dass sich dort aber eine feuchte Dreckschicht bildet, so dass man im Endeffekt in Matsch rumwaten muss – ja bäh! Wo war da jetzt eigentlich die versprochene “regelmässige Reinigung”? Ich bilde mir ein, vorab was davon gelesen zu haben, dass sowohl Duschen als auch Toiletten einmal stündlich gereinigt würden. Aber sorry – so wie das aussah, wurde das allerhöchstens zweimal am Tag gemacht. Gerade bei den Duschen wäre es aber doch ein leichtes, da alle Stunde mal kurz mit dem Schlauch durchzuspritzen. Grandioses Fail also. Und damit das Geld eigentlich nicht wert.
6 Tage Dschungel-Camp – mein Fazit
Aber trotz der kleinen Negativpunkte – es war ein unvergessliches Erlebnis. Dazu beigetragen haben aber auch Ü und Andy, unsere Symbionten, die uns am Dienstag so herzlich in ihre Wagenburg aufgenommen haben. Da wir im Auto schliefen (Kombi, Rückbank umgeklappt, aufblasbares Gästebett, vier Decken – perfekt!) und bei denen quasi vor der Haustür der letzte Parkplatz weit und breit war, hatten wir erst leichte Bedenken. Völlig zu unrecht. Wir verstanden uns perfekt, hatten dermassen viel Spaß mit den beiden und werden sie demnächst auch mal in Traunstein besuchen. Sehr praktisch war auch, dass die beiden mehr als gut ausgerüstet waren: Aggregat, Leuchtstoffröhren, Kühlschrank, Wasserkocher, Gaffa-Tape in rauhen Mengen, Grill, Axt, Stühle… Ich glaube, wir gehörten zu den luxuriösesten Camps auf C. So machte das Ganze jedenfalls wirklich Spaß.
Und auch wenn mein Öko-Gewissen angesichts von 700 Tonnen Müll auf dem Platz in Tränen ausbricht und mir noch für Monate Schuldgefühle beschert – verdammt, das ist eben Wacken. Und die verdienen ja schließlich auch ihr Geld damit. Gegen Ende fielen Horden von Leergut-Sammlern über den Campingplatz her und ernteten insgesamt sicher tausende von Euros an Pfandflaschen und -dosen. Und was den restlichen Müll angeht – so lange er nicht verbrannt wurde, sind jedes Jahr 800-1000 Helfer gut eine Woche damit beschäftigt, nach dem Festival wieder klar Schiff zu machen und das Gelände wieder in echte Wiesen zu verwandeln. Und die bezahlen wir mit unseren Tickets.
Viel zu gerne wären wir daher auch nächstes Jahr wieder dabei. Und eigentlich hatten wir das mit der Meute, die wir dort kennenlernten, auch schon fest vereinbart. Aber gestern erfuhren wir dann leider, dass mein bester Kumpel ausgerechnet am 7. August 2010 heiraten will. Mist. Warum kann er sich nicht ein Wochenende vorher oder nachher aussuchen? Hm. Vielleicht, weil vorher das Party-San ist und die Woche drauf das Summer Breeze. Letzteres soll nämlich wohl so eine Art Flitterwochen-Reise für die beiden werden.
Aber was solls. Dann sind wir eben 2011 wieder dabei! Da ich dann allerdings schon echt haarscharf auf die 40 zugehe, kann ich mir endlich auch so ein “Ich bin doch eigentlich schon viel zu alt für diesen Scheiß”-Shirts besorgen, von denen ich auf dem Festival dutzende sah…
Fotos von Wacken
Natürlich war meine Kamera auch auf dem Festival dabei und ab und an hatte ich sogar nüchterne Momente, in denen ich knipsen konnte. Aufs eigentliche Festivalgelände nahm ich sie allerdings nicht mit. Erlaubt wäre es zwar gewesen, aber ich wollte einfach nicht. Stattdessen habe ich ein paar nette Schüsse auf unserem Campingplatz gemacht, die eigentlich viel mehr über das Festival aussagen als irgendwelche Bilder der Konzerte oder der Menschenmassen. Oder?
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um dich zu korrigieren: Ja, ich kenne da ein Festival, auf dem es problemlos möglich ist, Einheimische neben “bösen” Schwermetallern stehen und sich fröhlich miteinander unterhalten zu sehen.
Nennt sich Summer Breeze, fand bis (vor)gestern in Dinkelsbühl (Mittelfranken) statt und ist trotz teils genauso grottiger Orga wie beim Wacken dennoch ein Lichtblick in der deutsch-europäischen Festivallandschaft.
cu, w0lf.
Das ist aber meines Wissens nach nicht so nah an einem Ort bzw. ist Dinkelsbühl nicht so ins Festival involviert wie das in Wacken der Fall ist?
Naja – Wacken ist ja auch ein Dorf. So ähnlich wie Abtsgmünd, wo das SB früher stattfand.
Allerdings ist Dinkelsbühl dennoch stark beteiligt – irgendwo müssen die Shuttle-Busse ja hinfahren. Die landen dann direkt hinterm REWE, der ZOB ist auch gleich um die Ecke und wer direkt nach DKB rein will, braucht nur ein paar Minuten zu Fuß reinlaufen.
Trotzdem findet sich massenhaft Dinkelsbühler Lokalkolorit auf dem Festival – alle An- und Einwohner haben AFAIK freien Eintritt, um sich von der Harmlosigkeit des SBs überzeugen zu können.
cu, w0lf.
Hm. Nachdem wir eigentlich schon beschlossen hatten, dass wir nächstes Jahr wieder auf Wacken fahren wollen, mein bester Kumpel aber letzte Woche angekündigt hat, dass er leider genau an dem Wochenende heiraten wird (und das SB als quasi-Flitterwochen nutzen will), stehen die Chancen gar nicht mal so schlecht, dass ich mir das Breeze nächstes Jahr doch auch mal
antueansehe…