Prolongation – Segen und Fluch des E-Commerce-Zeitalters…

Verlockung Internet: einkaufen rund um die Uhr, im Sitzen, ohne Parkplatzsuche...
Zur Zeit ist es viel zu still in diesem Blog geworden. Leider. Habe so einiges um die Ohren. Und vor allem habe ich das analoge Leben ohne Laptop auf dem Schoß wieder zu schätzen gelernt. Denn trotz des Nicht-Sommers ist es draussen doch oft noch schöner als drinnen.
Nächste Woche steht aber endlich Urlaub an. Unser erster gemeinsamer Urlaub, seit wir zusammen sind. Also Urlaub, in dem wir richtig wegfahren und nicht aus Geldgründen nur daheim sitzen. Das haben wir jetzt 5 Jahre gemacht – aber heuer müssen wir mal aus der Bude raus! Am Samstag gehts deswegen erst mal zu einer guten Freundin in Bamberg, am Sonntag dann für zwei Nächte weiter nach Hamburg (wir haben ein echt günstiges Hotel 500m vom Fischmarkt, direkt auf der Reeperbahn – das wird bööööse
) ) und anschließend gehts für fünf Nächte direkt auf das Wacken Open Air. Daran anschließend werden wir uns aber wohl spontan noch ein oder zwei Nächte in irgendeinem 50-Seelen-Fischerkaff an der Nordsee einmieten und “runterkommen”. Hauptsache keine Menschen, ein richtiges Bett, eine Dusche und vor allem ein eigenes Klo.
Was bis jetzt noch überhaupt nichts mit dem Titel dieses Eintrags zu tun hat. Das kommt nämlich jetzt erst. Ob der Erkenntnis, dass ich am Samstag in Bamberg eine Adresse suchen muss und auch noch überhaupt keine Ahnung habe, wie ich in Hamburg mit dem Auto an unser Hotel komme – heute habe ich mich nämlich dazu entschlossen, mir ein Navi zuzulegen.
Mr. Master-Map gibt auf
Lange Jahre habe ich mich geweigert. Ich habe bisher immer überall hingefunden. Mir wurde das Karten lesen quasi schon in die Wiege gelegt. Bei sonntäglichen Ausflügen hat mir mein Papa, ein alter Pionier der Bundeswehr und deswegen zwangsweise ein echter Profi auf der Landkarte, des öfteren einfach den Atlas auf den Rücksitz gereicht und gemeint, ich solle ihn doch über eine schöne Strecke lotsen. Also lernte ich schnell, Bundesstraßen von Staatsstraßen und Ortsstraßen auf der Karte zu unterscheiden, mir räumlich vorzustellen, wo wir in welche Richtung abbiegen müssen und wo man landschaftliche Attraktionen, Sehenswürdigkeiten und sonstiges findet, was da in der Landkarte eingezeichnet ist.
Dementsprechend hätte ich auch jetzt keine Angst, sowohl Bamberg als auch Hamburg zu meistern. Dank Google Maps findet man jederzeit eine Karte von jeder Ecke dieser Welt. Und wenn man die mal gesehen hat, findet man sich doch auch in der realen Welt zurecht. In Hamburg selbst würde ich mir dann einfach einen Stadtplan kaufen und somit ebenfalls zielsicher alles finden, was uns interessiert. Gut, was die Rockschuppen auf der Reeperbahn angeht, braucht man sicher keinen Stadtplan. Aber wir wollen ja auch andere Sachen sehen.
Warum in aller Welt geb ich jetzt also tatsächlich 100€ für ein Navi aus?
Weil es verdammt nochmal so bequem ist. Vor einigen Wochen hatte ich einen Kundentermin in Aulendorf, nördlich von Ravensburg und lieh mir dazu das Navi aus dem Büro aus. Zwar machte es einen entscheidenden Fehler und jagte mich von München aus über die im Moment nur aus Baustelle bestehende A8 erst nach Augsburg, dann weiter nach Ulm und anschließend auf die A6 und B-irgendwas nach Süden, wohingegen mir Google Maps eigentlich empfohl, die A99 um München rum zu nehmen und über die A96 von Süden her baustellenfrei und mit nur 10km mehr ans Ziel zu kommen, aber da war ich auch selber schuld, dass ich der netten Stimme hörig war, nicht einfach auf die A99 abgebogen bin und das Ding dazu gezwungen habe, diese Alternative zu wählen.
Was aber die Zielführung am Ort angeht – ein Traum. Wie gesagt hätte ich das Ganze garantiert auch ohne Navi gefunden. Gerade dort wäre es überhaupt kein Problem gewesen, weil Aulendorf eh nicht so groß ist, das Ziel am Ortsrand liegt und noch dazu sogar ein eigenes Wegweiserschild an der Hauptstrasse hat. So richtig genossen habe ich allerdings die Tatsache, dass ich etwa 15 Minuten zu früh in dem Ort war und deswegen noch schnell an die Tanke konnte, um mir einen Kaffee zu gönnen, gemütlich eine dazu zu rauchen und Tabakvorrat für die Heimfahrt zu besorgen. Also auch das wäre natürlich ohne Navi gegangen – allerdings hätte ich da ziemlich suchen müssen, weil die Tankstelle gut versteckt war und ich ja nicht weiß, in welcher Ecke ich suchen hätte sollen. So aber – POI-Liste aufgerufen, drei “Klicks” auf dem Touchscreen und 3 Minuten später war ich dort. Das war definitiv mein “Aha-Erlebnis”, dass sowas selbst für mich praktisch sein kann.
Und genau diesen “Luxus” hätte ich jetzt eben auch gern im Urlaub. Also mittendrin einfach mit ein paar Klicks zu _wissen_, wo die nächste Tankstelle ist, weil man tanken will, mal Pipi muss oder einen Happen essen möchte. Oder wenn wir uns spontan an die Nordsee legen und eine Unterkunft für die Nacht suchen. POIs aufgerufen – fertig. Und auch davor in Hamburg – auch wenn wir dort zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Stadtpläne sind zwar ein haptisches Erlebnis – aber wenn ich mir meinen Stapel im Schrank ansehe…? Wo ich schon überall war…? Überall hab ich mir nämlich den praktischen Falk-Patent-Faltplan geleistet…
Genau wegen der Möglichkeit, eine Stadt oder Landschaft auch außerhalb des Autos zu erleben würde ich mir aber auch nie ein Navi fest in ein Auto einbauen lassen. Was hab ich denn dann von der tollen Technik, wenn ich in einer Stadt bin und diese zu Fuß oder mit Bus und Bahn erkunden möchte? Genau: gar nichts.
Kauf-Lust oder doch eher ein wenig -Frust?
Nu aber – schlußendlich zum Titel des Eintrags: ich bin sooooo neugierig auf das Ding. Aber ich muss natürlich erst noch warten, bis es per Post Hermes bei mir ankommt…
(
Und genau dazu wollte ich einfach mal fragen, ob ich damit alleine bin?
Wenn ich mir etwas online kaufe, hat das einen nicht unerheblichen Push für mein Belohnungszentrum im Gehirn zur Folge. Auch und gerade, wenn ich zuvor recht lange rumgesucht habe, um auch wirklich das günstigste Schnäppchen zu ergattern – wer zahlt schon freiwillig gerne deutlich mehr als nötig? Also das ist schon wirklich der größte Segen des Internet: ich kann mir völlig frei raussuchen, wo ich was kaufen will und bin nicht mehr auf den griesgrämigen Elektro-Händler angewiesen, nur weil der in meiner Gegend weit und breit der einzige ist und ich also gar nicht anders kann, als zu ihm zu gehen.
Allerdings verdreht sich diese steinzeitliche “Yesss, ich habe erfolgreich gejagt”-Freude doch schnell in nicht unerheblichen Frust – weil man warten muss, bis man das Gekaufte in den Händen hat. Wo genau das doch eigentlich sogar der größte befriedigende Effekt an dem Ganzen ist. Würde ich nur Spaß daran haben, Geld auszugeben und nichts dafür zu bekommen – dann hätte ich ja eine immense Befriedigung darin, Almosen in den Fußgängerzonen zu verteilen. Hab ich aber nicht. Also brauch ich das Gegenstück. Was aber dauert…
Gut, natürlich kennen wir das Problem auch schon von früher: Katalogbestellungen. Auch da hab ich tolle Bilder und Vorstellungen und Freude – und muss warten, bis es kommt. Ein Auf und Ab der Gefühle also. Oder fast ein wenig wie Sex mit Unterbrechung…
Ganz verwegen wäre jetzt natürlich die Aufstellung der These, dass das ja vielleicht auch ein Grund für die vielen Überschuldungen aufgrund von Kaufrausch im Katalog oder Internet sein könnte? Weil während man auf die Erfüllung des letzten Kicks wartet, kann und muss man sich ja schon den nächsten Kick holen, indem man wieder was bestellt. Ginge das wie im normalen Laden Hand in Hand – wer weiß…?
Was denkt Ihr?
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na dann .. viel spaß in Altona
cu, w0lf.