Rezept: Rumfort-Pfanne

Praktisch und lecker: einfach alles in eine Pfanne werfen, was rumliegt und fort muss...
Es ist höchste Zeit, mal wieder ein Rezept hier zu posten. Obwohl es eigentlich gar nicht wirklich ein Rezept ist. Eher eine grobe Bauanleitung, die zum kreativen experimentieren einladen soll. Die Rede ist von einer “Rumfort-Pfanne”. Der Name kommt daher, weil sie ideal dafür geeignet ist, alles was rumliegt und fort muss, zu einem leckeren Essen zu verarbeiten.
Doch nicht nur zum Zwecke der reinen Resteververtung ist so eine Pfanne gut. Auch mit extra dafür frisch gekauften Zutaten ist das nicht minder lecker. Bei mir ist es meistens irgendetwas zwischendrin. Und weil es so ein offenes Rezept ist, gibt es auch tausende von Variationsmöglichkeiten. Allen gemein ist jedoch: man braucht wirklich nur eine Pfanne, etwas Zeit zum schnibbeln und ein wenig Einfallsreichtum und Vorstellungsvermögen.
Vom Aufwand her hängt es natürlich sehr von der Menge und Art der verwendeten Zutaten ab, aber ich habe eigentlich noch nie länger als insgesamt 30 Minuten gebraucht. Und weil man wirklich nur eine einzige Pfanne braucht, ist es einfach eines meiner Lieblingsgerichte für Mittags im Büro.
Die Grundlagen: Kompositionslehre
Nein, jetzt wirds nicht musikalisch. Obwohl man den Aufbau dieses Gerichts durchaus schon etwas mit Musik und der Kunst des Komponierens vergleichen kann. Allerdings hat diesen Vergleich Jamie Oliver schon mal in einer seiner Shows gebracht, weshalb ich ihm das jetzt nicht klauen möchte. Aber wenn es doch so gut passen würde…?
Grundstock
Jede dieser Pfannen braucht jedenfalls einen Grundstock. Das, was die eigentliche Masse ausmacht. Meist ist das genau das, was rumliegt und fort muss. Bei meiner Version gestern, die ich für das Foto oben abgelichtet hatte, waren das Champignons. Die hatte ich vor einer Woche mitgenommen, weil ich die zusammen mit Putenbruststreifen zu einem leckeren Salat machen wollte, aber irgendwie wurde nichts draus. Also lagen sie rum…
Genauso gut könnte der Grundstock aber auch eine Zucchini sein. Oder Rüben. Oder Lauch. Oder Aubergine. Oder Kohl. Oder Rosenkohl. Oder Blumenkohl. Oder Brokkoli. Oder ganz hervorragend geeignet: Kartoffeln! Diese müssen noch nicht mal vorgekocht sein. Ich würfle sie immer in ca. 5mm große Stücke und gebe sie als allererstes in die Pfanne, so dass sie insgesamt rund 15 Minuten drin sind, was bisher immer ausreichte, um sie durchzugaren.
Und wer ganz exotische Gedanken hat: wie wäre es denn mit den klein gewürfelten Klössen vom Vortag, die ja eine interessante Mutation erfahren, wenn man sie in der Pfanne anbrät? Besonders unsere typisch bayrischen Semmelknödel (oder doch Semmelnknödeln?) sind für sowas ideal.
Ach ja, mit zum Grundstock gehören für mich aber immer sowas wie Zwiebeln und Knoblauch. Ohne die gibt es bei mir eigentlich fast nichts aus der Pfanne…
Akzente
Zu diesem Grundstock braucht eine derartige Pfanne natürlich Akzente. Diese können eher farblicher Natur sein wie meine Paprika und Tomaten auf dem Bild oben, die mit ihrer Röte so schön aus dem Pilzbraun hervorstechen, oder sie sind geschmacklicher Natur, beispielsweise mit ein wenig richtig kräftigem Feta.
Ein Akzent alleine ist aber nur selten ausreichend, da sonst der Grundstock doch zu sehr dominiert. Deswegen darf als eine Akzent-Komponente auch ruhig ein wenig Fleisch mit rein. Das allerdings möglichst klein geschnetzelt sein sollte. Bei mir landen da meistens eine einzelne Putenbrust oder ein mittelgroßes Schweineschnitzel drin. Oder wie bei der obigen Variante im Bild auch einfach mal Wurst (zwei Stück Regensburger, die ich von unsrem Senior-Dorfmetzger grinsend mit den Worten “do schau her, I leg da moi wieda wos zum probia’n füa’d Brotzeit nei, wenns recht is” mit in die Tüte gesteckt bekam…).
Und natürlich können auch Vegetarier das machen, denn Tofu passt hier wunderbar dazu.
Sehr interessant ist auch, wenn man als Akzent Nudeln oder Reis einsetzt. Also mal umgekehrt. Die Massenbeilage bzw. der Grundstock eines Reis- oder Nudelgerichts wird hier zur Neben-Zutat. Gerade, wenn vom Vortag noch eine Handvoll davon übriggeblieben ist – was würde man sonst mit so einer halben Portion anstellen? Ganz einfach: ab damit in die Rumfort-Pfanne!
Ansonsten: einfach mal kreativ sein! Ich hatte schon die erstaunlichsten Geschmackserelebnisse mit unerwartet lecker harmonierenden Akzenten!
Zusammenhalt
Bisher ist es eigentlich nur eine einfache Pfanne. So richtig lecker wird sie aber meist erst durch die richtige “Bindung” der Komponenten. Also irgendetwas, was das Ganze zusammenhält und verbindet.
Im einfachsten Fall ist das so simpel wie lecker: zwei, drei Eier drüberschlagen und immer schön umrühren, während es stockt.
Zweite Variante, die ich gerne mache: geriebener Käse. Oder der oben erwähnte Feta. Denn natürlich darf der Zusammenhalt ja auch eine Komponente des Akzents sein. Und umgekehrt. Jedenfalls wird Käse in der Pfanne anders als beim überbacken im Ofen – ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll? Mir schmeckt das jedenfalls extrem gut.
Dritte Variante: einfach einen Teelöffel (Kartoffel-)Mehl in einem Glas kalter Milch verrühren und das drübergießen. Sobald das Mehl in der Flüssigkeit warm wird, bindet es – und schon hat man ein einfaches, aber dennoch extrem leckeres Sößchen zu dem ganzen.
Würz was!
Klaro. Gewürze sind in fast jedem Gericht das A und O, das dem ganzen einen unterstreichenden Charakter verleihen oder sogar eine gänzlich neue Richtung geben kann. Mein Standard für diese Rumfort-Pfannen sind auf jeden Fall Salz, Pfeffer, Kümmel und Ingwer. Aber auch Curry macht sich manchmal sehr gut drin. Oder Rosenpaprika. Und gemahlene Chilis sowieso. Also am besten einfach nach Lust und Laune experimentieren. Das “rum” von “Rumfort” könnte ja durchaus auch für “rum”probieren stehen…
Präsentation
Das letzte Element hat eigentlich nicht so wirklich was mit dem Kochen selbst zu tun, aber das Auge isst ja bekanntlich mit. Und da derartige Pfannen oft etwas langweilig oder sogar seltsam aussehen – einfach wie im Bild oben eine Hand voll Kresse oder sonstige Sprossen drüber streuen. Oder mit Petersilie und/oder Schnittlauch dekorieren. Oder das Ganze auf zwei schönen Blättern Eissalat drapieren oder was auch immer einem dazu einfällt. Bei diesem Punkt bin ich ja auch noch weit davon entfernt, wirklich gut zu sein…
Spieltechik
Wollte ich nicht eigentlich auf Vergleiche mit der Musik verzichten? Aber Mist – es passt einfach so wunderbar. Denn die ganze theoretische Komposition nutzt ja nix, wenn man sein Instrument nicht beherrscht. Auf diese Weise hört sich ein Blatt-Beethoven im Saal dennoch nur nach Trompeter-Furz an…
Obwohl es wiederum echt nicht schwer ist. Das, was am längsten braucht, sollte zuerst in die Pfanne. Und danach in der Reihenfolge der nötigen Gar- oder Aufwärmzeiten. Simpel.
Einem Oha-Erlebnis möchte ich allerdings vorbeugen: wenn Ihr vorhabt, das mit dem Ei zu machen – gebt alles, was viel Saft abgibt (z.B. Tomate!) unbedingt erst danach rein. Genauso solltet ihr erst anschließend zu salzen beginnen. Denn wenn zu viel Flüssigkeit in der Pfanne ist und Ihr gebt darüber dann ein Ei, das dann in dieser “Suppe” noch stocken, geschweige denn an den einzelnen Zutaten haften soll – ach, probiert es einfach mal, dann werdet ihr merken, was ich meine. Schmeckt nicht weniger lecker, sieht aber einfach komisch aus…
Ruck zuck – obaschluck!
Les voila – mehr ist es eigentlich gar nicht. Mit Hilfe dieser groben Bastelanleitung kann wirklich jeder in Minutenschnelle ein leckeres Gericht aus der Pfanne zaubern. Also echt ideal für die schnelle Mittagsküche oder wenn man abends nach der Arbeit einfach nur noch Hunger, aber keine große Lust mehr hat.
Und wie gesagt: es gibt sicher tausende von Variationen. Aber anstatt jedes einzeln als eigenständiges Rezept herauszupicken und unter eigenem Namen als absolut leckeren und simplen Tipp zu vermarkten und damit die Seite künstlich aufzublähen – lieber einmal, und dafür richtig…
In diesem Sinne – möge der Geist des Baron Rumfort mit Euch sein!
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hm .. das mit der Milch wusste icb noch gar nicht.
Werde ich mir auf alle Fälle mal merken – hab öfters diese Situation: “wohin damit”
cu, w0lf.