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Samstag, 13. Juni 2009 – Carrotmob in Berlin

Carrotmob - wenn wir uns zusammentun, können wir tatsächlich was verändern. (Klick auf das Bild, um zum Video zu gelangen)

Carrotmob - wenn wir uns zusammentun, können wir tatsächlich was verändern. (Klick auf das Bild, um zum englischen Video zu gelangen - das meiste davon ist aber ohne Worte)

Gerade habe ich von dieser Aktion erfahren – und finde fast etwas schade, dass ich am anderen Ende der Republik wohne. Da würde ich nämlich schon auch gerne mitmachen. Zwar haben Mob-Aktionen gerade in Berlin ja wegen der regelmässigen Krawalle zum 1. Mai immer einen etwas komischen Beigeschmack – aber dieser Carrotmob ist echt gänzlich anders.

Eigentlich eine geniale Idee. Es heißt ja immer, dass wir Verbraucher die Macht im Geldbeutel haben und diese nutzen sollen. Allerdings: so lange wir das nur vereinzelt tun, wird da nie was draus. Die Unternehmen werden es nicht wirklich spüren, wenn hin und wieder mal einer von 100 oder 1000 aus “Protest” woanders kauft. Also gibt es nur eins: zusammentun! Und gemeinsam nicht einen oder mehrere “bestrafen”, sondern umgekehrt einen einzigen wirklich konzentriert belohnen.

Treiben wir die Esel an – mit Karotte oder mit Rute?

Auf der amerikanischen Carrotmob-Seite findet sich zu der Frage, wo der Name überhaupt herkommt, eine echt amüsante Erklärung (ich hab mal frei übersetzt):

Es gibt ein altes Sprichwort, nach dem Du zwei Möglichkeiten hast, einen störrischen Esel anzutreiben: entweder hängst Du ihm eine Karotte vor’s Maul oder Du gibst ihm die Rute auf’s Hinterteil. Stellen wir uns Unternehmen nun mal als solche Esel vor, die sich eigentlich gar nicht in Bewegung setzen wollen. Traditionelle Verbraucher-Aktivitäten sind nun wie ziemlich viel Rute. Proteste, Gerichtsverfahren, Boykotte – und so weiter. Wir hingegen wollen mal die Karotten-Methode ausprobieren. Wir glauben, dass es möglich ist, Unternehmen zu großen Veränderungen zu bewegen, wenn wir ihnen im Gegenzug entsprechende Gewinne versprechen. Ein absolut positives Modell also, bei dem es keine Anfeindungen gibt und bei dem jeder gewinnt.

 

Na, das hört sich doch echt schlüssig an!

 

Wettstreit der Unternehmen

Wie funktioniert das Ganze nun also? Bisher läuft es so, dass vorab ein Termin festgelegt wird. Dann werden potentielle Läden ausgesucht und befragt, was sie denn mit dem Mehrumsatz tun würden, wenn wirklich an diesem Tag alle Carrotmobber in ihr Geschäft und nicht in andere Läden stürmen würden. Und der, der mit diesem Geld am meisten für die Umwelt oder den Verbraucher tut, der bekommt den Zuschlag und wird offiziell den Carrotmobbern empfohlen, also dass sie an dem Tag ihre sowiese fälligen Einkäufe einfach dort tätigen und nicht woanders.

Interessant ist ja, dass es dabei wirklich nur Gewinner gibt. Der Unternehmer hat überhaupt nichts zu verlieren, weil er ja nur etwas mit dem überschüssigen Geld tut, das er unerwarteterweise bekommt, d.h. er muss nichts aus seinem laufenden Geschäft nehmen und hat deswegen kein Risiko. Und der Kunde hat auch kein wirkliches Problem, denn er muss ja an dem Tag sowieso einkaufen gehen – und ob er das jetzt hier oder dort tut…? Gut, sicher gibt es preisliche Unterschiede, aber es ist ja nicht gesagt, dass man beim ausgewählten Laden automatisch immer am teuersten wegkommt.

Außerdem geht es um das wichtigste: man tut als Kunde etwas für seine Interessen – und die Unternehmen merken nicht nur im Rahmen von ein paar Prozent Marktanteil, sondern an einem richtig massiven Tag, dass sie belohnt werden, wenn sie etwas tun!

Who’s the winner?

Was passiert nun also kommenden Samstag genau? Ziel dieser ersten deutschen Aktion ist der “Multikulti Spätkauf” in Kreuzberg. Dessen Besitzer hat sich bereiterklärt, 35% des ganzen Umsatzes, den er an diesem Tag macht, in einen umweltgerechtere Renovierung seines Ladens zu investieren. Er wird also beispielsweise an der Dämmung arbeiten, um seine Heizkosten reduzieren und dergleichen und damit CO2 sparen.

Doch das ist erst der Anfang. Wie die Initiatoren der Aktion betonen, ist das quasi nur die Einführungsaktion für Deutschland. Ziel war also, überhaupt erst mal das Prinzip bekannt zu machen. Und das geht am besten mit Hilfe eines solchen allgemeinen Themas. Also Samstags, wenn sowieso jeder was fürs Wochenende einkaufen muss. In Zukunft sollen aber alle möglichen weiteren Aktionen folgen. Die aber auch nicht unbedingt so regional beschränkt bleiben müssen. Denkbar wäre ja auch, dass man das auf das Internet ausweitet und beispielsweise alle an einem Tag in einem entsprechenden Webshop zum virtuellen Shopping gehen, anstatt das wie gewohnt bei Amazon oder ebay oder sonstwo zu tun.

Mitmachen? Mitmachen!

Wichtig ist auch zu sagen, dass wirklich jeder Ideen einbringen kann, wann und wo der nächste Carrotmob-Day stattfinden soll und wie man ihn gestalten könnte. Und je mehr das sind, desto mehr wird auch passieren! Also auch wer da nicht unbedingt aktiv mitmachen kann oder will – zumindest den Newsletter kann man abonnieren, um auf dem Laufenden zu bleiben. Und weitersagen ist wie immer Gold wert, denn da die Mache ja nichts damit verdienen, fällt kostenpflichtige Werbung somit aus. Deswegen auch mein Eintrag hier – erzählt es weiter und macht vielleicht sogar selber mit!

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