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Ampel-Kennzeichnung von Lebensmitteln: Hut ab vor Frosta!

 

Na, irgendwer dabei, der das nicht versteht? Richtig: mit einer Ampel können sogar kleine Kinder schon umgehen. Und unabhängig von der Sprache. (Bildquelle: www.eatwell.gov.uk)

Na, irgendwer dabei, der das nicht versteht? Richtig: mit einer Ampel können sogar kleine Kinder schon umgehen. Und sogar unabhängig von der Sprache. (Bildquelle: www.eatwell.gov.uk)

Ich traute meinen Augen nicht, als ich gestern diese Meldung las. Frosta führt tatsächlich im Alleingang und ohne staatlichen Druck die von Verbraucherschützern und uns Konsumenten seit langem geforderte Ampel-Kennzeichnung auf vier Produkten ein? Das gibts doch nicht…!? Ich zolle hiermit zum ersten Mal seit meiner Wendung zum Öko vor mehr als zwei Jahren einem dieser “Dosenmampf-Hersteller” meinen Respekt. Denn dazu gehört Mut. Bravo!

Gut, es betrifft erst mal nur vier Produkte. Aber immerhin. Das ist mehr als jeder andere Lebensmittelkonzern sich bisher getraut hat. Ein Anfang also. Der die Diskussion über die Ampel hoffentlich wieder so richtig in Gang bringt.

Ich hatte ja in meinem alten Blog schon mehrmals über die vergebliche Mühe von foodwatch und anderen Verbänden berichtet, die Hersteller von Lebensmitteln dazu zu verdonnern, endlich ehrlich auf ihre Packungen zu schreiben, was denn nun wirklich drin ist. Doch die Lobby der Hersteller ist größer, so dass jeglicher Versuch bisher immer wieder scheiterte. Was kaum wundert, wenn man bedenkt, wo die Zucker-Scheichs ihre Finger überall drin haben und was das für sie bedeuten würde, entdeckten wir Konsumenten auf einmal, wo und in welcher Menge allein schon Zucker drin ist. Ich sage nur: die ach so leckeren Frühstücks-Cornflakes aus dem Hause “K”, von denen manche Sorten zu über 40% aus Zucker bestehen. Da kann ich doch zum Frühstück gleich einen großen Esslöffel pur knirschen…

Zucker – Muskelnahrung für Hochleistungssportler

Oder die schönen Modegetränke aus dem Hause – ach, ihr wisst schon. Die mit der unverwechselbaren Flasche. Die ja auch im Zitronen- und Orangenlimo-Markt so dominieren. Dass in Cola und in F….ast hätte ich jetzt den Markennamen geschrieben… Jedenfalls: dass da haufenweise Zucker drin ist, weiß ja eigentlich jeder. Wie viel es aber tatsächlich ist, das überrascht dann doch so manchen, wenn man ihm die entsprechende Menge Würfelzucker hinlegt und sagt: “so, jetzt schluck das bitte zusammen mit Wasser runter, dann hast du so viele Kalorien wie mit…”

Das Dreisteste an Verbrauchertäuschung finde ich aber den Hinweis auf besagten Flaschen. Denn ich muss gestehen, gegen einen Katermagen und -kopf und vor allem den Durst hilft bei mir am besten genau diese Zuckerplörre, also trinke ich sie ab und zu sogar. Und deswegen fiel mir letztens dieser Spruch rechts oben auf dem Front-Etikett auf:

Sp… enthält Zucker, der Dir Energie für Deinen aktiven Lebensstil gibt.

Auf der Cola-Flasche steht das auch, aber in anderen, noch viel schöneren Worten. Aber leider habe ich grade keine zur Hand, also lieber Leser: hol Dir doch mal die Flasche und such nach dem Spruch. Und fühl Dich danach so richtig schön veräppelt…

Jedenfalls: mein aktiver Lebensstil? Wie Millionen anderer Deutscher bin ich Bürohengst und ein fauler Sack, was Sport angeht. Das aktivste, was ich üblicherweise jeden Tag so tu, ist die Treppen zu unserem Büro im 2. Stock hochzusteigen. Aber selbst, wer da etwas aktiver ist – hey, hier geht es nur um ein Getränk! Etwas, was so nebenbei läuft, ohne dass man noch irgendwas gegessen hätte. Also kann schon sein, dass Hochleistungssportler derartige Kraftkanonen brauchen können – aber sollte dieses Getränk dann eigentlich nicht auch als reiner Sportler-Drink vermarktet werden? Oder soll es eher umgekehrt sein: Du trinkst so viel davon, also hopp, hopp – treib endlich Sport!

GDA – Guideline Daily was?

Auf jeden Fall wird auf diesen Verpackungen doch versucht, etwas schönzureden. Laut der tollen GDA-Aufstellung, die kein Mensch so schnell entziffern kann wie eine Ampel, enthält dieses Getränk 23 Gramm Zucker. Oh, Moment – da oben steht ja recht klein “pro 250ml-Glas”. Also ist auf die üblichen 100ml runtergerechnet wie viel Zucker drin? Ähm, einen Moment… Wo ist der Taschenrechner… 23 geteilt durch 2,5… Etwas weniger als 10? Ach, machen wir es einfacher: nehmen wir es mal vier und rechnen es auf den Liter hoch. Also 23 mal 4 ergibt – ja, knapp 100 Gramm. Und so eine Literflasche ist nicht nur auf Brand schnell weg – auch beim Sport oder tagsüber als Zehrung in der Schule oder nachmittags, wenn man mit Freunden unterwegs ist etc…

100 Gramm Zucker in 1 Liter Getränk. Weil das so abstrakt klingt: ein Stück Würfelzucker hat 2,5 Gramm. Also sind das 40 Stück Würfelzucker. Oder in Löffeln gerechnet: 1 gehäufter Löffel wird üblicherweise mit rund 5 Gramm gerechnet. In 1 Liter Getränk sind demnach 20 Löffel Zucker. Klingt immer noch etwas unspektakulär…

Also setzen wir das doch mal in Relation zu etwas, das wir alle kennen: Kaffee. Eine Tasse oder auch “Becher” oder “Haferl”, wie sie bei uns im Haushalt und Büros üblich sind, hat ungefähr 200ml. Also 1/5 Liter. Nun denn, Hand hoch: wer trinkt seinen Kaffee tatsächlich mit 4 Löffel Zucker? Wie, das ist Dir zu süß? Aber wieso trinkst Du dann diese Zitronen-, Orangen- oder Cola-Plörre, die so viel Zucker enthält?

Verbrauchertäuschung par excellance

Wir sehen: irgendwas läuft doch da schief mit unseren Lebensmitteln. Zugegeben, ich hab mich gerade auf die Getränke der Cola-Company eingeschossen, aber genau das gleiche gilt so ziemlich für alle Erzeugnisse der Lebensmittelindustrie. Auch und gerade das Essen. Wie oft hier mit Zucker gestreckt wird oder wirklich viele ungesunde, gesättigte Fettsäuren Verwendung finden – das hat diese Industrie bisher erfolgreich vor uns geheim gehalten. Und wird es auch weiterhin tun, wenn nicht endlich die Ampel Einzug findet und diese schwammige “GDA”-Kennzeichnung besiegt.

Natürlich ist klar, dass es immer vom Verbraucher abhängt, wie er sich ernährt. Keine Ampel alleine wird etwas gegen das steigende Übergewicht in unserer Bevölkerung tun können. Also ich spreche jetzt vom echten Übergewicht, nicht von den paar Pfunden, die zwischen Normal- und Traumgewicht liegen. Genauso wenig schreckt uns Raucher ja die Angabe der Teer- und Nikotinwerte auf den Schachteln ab. Meistens jedenfalls…

Denn so ein wirklich auf einen Blick verständliches, rotes Ampel-Signal bringt vielleicht doch endlich mal mehr Menschen dazu, kurz innezuhalten und verwundert auf die Zutatenliste zu sehen. Und vielleicht fällt es diesen Menschen dann auch tatsächlich leichter, sich einfach mal andere Produkte und deren Ampeln anzusehen und sich für etwas zu entscheiden, was vielleicht nicht unbedingt gleich vorbildlich gesund sein muss, das aber zumindest nicht so krass überzuckert und überfettet ist, wie es offenbar das Gros der Produkte ist, die sich hinter diesen GDA-Kennzeichnungen verstecken und die ihre ungesunden Inhaltsstoffe mit solchen Zitaten wie oben schönreden.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Es ist also höchste Zeit, dass so jemand wie Frosta sich einfach mal hinstellt und sagt: “das finden wir gut, wir stehen zur Qualität unserer Produkte und wollen das auch offen zeigen und führen jetzt die Ampel ein”.

Und deswegen wie schon eingangs erwähnt: Hut ab, Frosta! Jetzt wenn ihr noch mit einem echten Bio-Siegel aufwarten könnt (nicht diesem Pseudo-EU-Bio), dann werd ich Euch tatsächlich mal wieder eins Eurer Gerichte abkaufen und essen.

Und an alle anderen Hersteller gerichtet: kommt endlich von Euren Thrönen runter! Wir Verbraucher WOLLEN kein Mastvieh sein, das Ihr mit Eurem minderwertigen Schlodder verführen und zu Tode füttern könnt. Redet endlich nicht mehr nur von “Nachfrage der Verbraucher, die wir bedienen möchten”, sondern handelt danach. Die zwei Drittel Befürwortung einer Ampel-Kennzeichnung bei nicht nur einer repräsentativen Umfrage ist Euch wohl noch nicht genug “Nachfrage”, oder wie? Oder seid Ihr am Ende gar nicht mehr fähig, gesündere Lebensmittel herzustellen, weil Ihr dazu auch hochwertigere Zutaten bräuchtet, die Ihr nicht mehr bekommt, weil Ihr mit Eurer verdammten Profitgier und noch mehr Druck auf die Einkaufspreise die meisten ehrlichen Erzeuger schon zugrundegerichtet habt und deswegen nur noch billige, minderwertige Massenproduktions-Landwirte zur Verfügung habt?

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4 Kommentare

  1. tscha .. heute morgen beim Bäcker der Blick auf die dort immer ausliegende Blöd: Hey – mal eine lesenswerte Schlagzeile – Ampelkennung für Deutschland.

    Meine gedankliche Reaktion: ENDLICH! ;)

    cu, w0lf.

  2. Ich finde es auch spitze, dass Frosta bereits seit einigen Jahren keine Geschmacksverstärker mehr verwendet. Kaum einer weiß, wie gefährlich Glutamat und Co. wirklich sind, leider sind sich da nicht mal die Forscher wirklich sicher. Was einem aber zu denken geben sollte: Bei Alzheimer-Demenz führt zu viel Glutamat und Calcium erst zu dem “weißen Rauschen” und bekannte Alzheimermedikamente wirken daher als Glutamatblocker. Mmmmmh… Sollte ich mir dann Unmengen Glutamat reinschütten? Das Zeug ist mittlerweile fast überall drin!
    Zurück zu Frosta. Eigentlich war dieser Schritt zur Ampel abzusehen. Günstigere und effektivere Werbung kann ich mir kaum vorstellen… Und ein Lebensmittelhersteller, der auf ungesunde und schädliche Zutaten verzichtet braucht sich auch vor keiner Ampel fürchten…
    Ich würde mich ja schon freuen, wenn es strengere Vorschriften geben würde, wie man die Inhaltsstoffe anzugeben hat. Oft steht dann zwar Zucker drauf, aber nicht in welcher Menge und dann muss ich den Wert wieder mittels Brennwertgehalt erraten. Toll sind auch diese ganzen E238455435, E875948… Der eine schreibt Natriumglutamat, der andere wieder nur E621… Soll ich mir die etwa alle auswendig lernen um gesund zu leben?

  3. Das ist der absolute Hit von FROSTA!
    Dieses Management hat wirklich Mut, weil ich denke, sie werden von anderen Konkurrenten als Nestbeschmutzer gehandelt werden…..Hut ab!!!!

  4. Frosta ist wieder einmal absoluter Vorreiter in Sachen Nahrungsmitteltransparenz! Ich finde es wirklich total klasse, dass diese Firma sich trotz der Ablehnung durch die Regierung für die Lebensmittelampel entschieden hat. Die Prozentangaben, die momentan auf den Lebensmitteln zu finden sind, sind für Otto-Normal-Verbraucher nämlich undurchsichtig und können durch die Grammangaben leicht verfälscht werden. Die Ampel zeigt klar und deutlich eine einfache Abtrennung… Das ist wirklich super!

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