Restaurant-Kritik: Cafe Tratsch am Freisinger Marktplatz
Letzten Sonntag machten wir ja einen Ausflug mit der Dampfeisenbahn. Von Haag aus ging es mittags mit Dampfkraft nach Freising, wo wir dann im Cafe Tratsch zu einem üppigen Mittagessen einkehrten. Unsere Wahl fiel auf dieses Cafe, weil es am Nordende des Freisinger Marktplatzes und damit schön in der Sonne liegt und weil es draussen eine Menge schöner, kleiner Tische gab. Und als wir dann noch sahen, dass es sehr gut frequentiert war – nun ja, let’s give it a try!
Das Ambiente war schon mal nicht schlecht. Nur unsere Tischnachbarn waren irgendwie – nun ja, wie nennt man so etwas? Wer so sportlich-leger gekleidet und so lässig-cool mit den Beinen auf dem Geländer flezt, sich dabei lautstark in arrogantem hochdeutsch (nicht falsch verstehen – es gibt auch normales, schönes hochdeutsch, aber diese Variante, die hauptsächlich über diesen überheblichen Klugscheißer-Tonfall definiert wird???) über den “kleinen Ausflug” im Mai unterhält, bei dem es erst nach Kopenhagen, dann weiter nach Göteborg und schließlich nach Malmö gehen soll und dass man eines der vielen Ski-Wochenenden in St. Moritz im letzten Winter nicht vergessen können wird, weil es so chillig und sportiv war und dass man doch eigentlich demnächst auch noch diese und jene Bekannte in Mexiko und Japan besuchen könnte und wer dann auch noch ins Geschäft abdriftet und sich mit einem “aber ich hab den größten”-Blick umsieht, obs auch ja jeder mitbekommt, darüber unterhält, wie viele hunderttausend Euro der Deal wert ist, den man letzte Woche noch schnell abgeschlossen hat…? Und dann auch noch nur einen “Vital-Salat” ordert, von dem man dann die Hälfte stehenlässt, weil das ja “viel zu üppig” war und man ja sowieso nicht so viel grünen Salat auf einmal mag… Sorry. Wenn es Klischees gibt, dann habt ihr beide eines voll erfüllt. Und zwar dasjenige des arroganten Schnösel-Yuppies. Oder wie auch immer man das nennen mag.
Aber für seine Gäste kann ein Lokal ja nichts und wir hatten diesbezüglich einfach nur Pech. Also zum Essen. Die Karte ist vielfältig und es gibt neben bodenständigen Gerichten auch einige etwas exotischere, asiatisch angehauchte Kreationen. Als Gast hat man jedenfalls eine große Auswahl – Rach der Restaurant-Tester würde aber wohl feststellen, dass es überhaupt keine klare Linie gibt, die das Ganze zu etwas Eigenständigem machen würde. Egal, ich wollte jedenfalls etwas deftiges. Weshalb ich ein “Bergbauern-Schnitzel” für 8,90€ orderte. Und meine kleine Göttin entschied sich für die Allgäuer Kässpatzen.
Bergbauern-Schnitzel
Nach angenehm kurzer Wartezeit bekam ich einen großen Teller. Mit zwei etwa handflächengroßen Schnitzeln, einer Handvoll Bratkartoffeln, einem Häufchen Salat und einem Klacks Tomatensauce über den Kartoffeln. Der Bergbauern-Aspekt steckte jedoch in den zwei Speckscheiben auf dem Schnitzel und dem Käse, mit dem das Ganze überbacken wurde. Optisch jedenfalls durchaus ansprechend!
Also ran an Messer und Gabel und erst mal die Schnitzel testen. Die wirklich gut weich waren. Allerdings waren sie relativ ungewürzt und besonders gut angebraten waren sie auch nicht. Also eher grau und so gut wie überhaupt nicht braun. Schade, wo doch genau in den braunen Stellen die Röststoffe und damit der Geschmack stecken.
Eine erste Enttäuschung erlitt ich dann aber beim ersten Bissen mit Käse. Das war billigster Emmentaler. Der geschmacklich mit Berg(bauern)käse ja in etwa so viel gemein hat wie Wasser mit Bier. Naja…
Ebenfalls unschön war die Tatsache, dass die Speckscheiben offenbar einfach zusammen mit dem Käse aufs Schnitzel gelegt und dann überbacken wurden. Die die nicht von Käse bedeckten Stellen waren nämlich schön kross – alles unterhalb des Käses aber total labbrig. Das könnte man bestimmt anders lösen, so dass alles knackt und nichts labbert.
Die Höhe war jedoch die Tomatensauce. Ich habe ja früher selbst lang genug von Supermarktmampf gelebt und wusste daher sofort, dass das schlicht und einfach diese fertige Tomatensauce aus dem Mini-Tetra-Pak war. Die mit Basilikum drin. Für 69 Cent bei Rewe.
Und auch der Salat – nun ja, die Zutaten an sich waren ja frisch und knackig, aber ich kann einfach dieses fertige Dressing aus der Tube nicht ab. Irgendsoeine Mischung aus Joghurt und Mayonnaise, die eigentlich nach gar nichts schmeckte.
Alles in allem kann ich diesem Gericht also allerhöchstens nur eine 4 geben. Und das auch nur, weil die Schnitzel so schön weich waren und die Portion für das Geld wirklich extrem gut satt machte.
Allgäuer Kässpatzen
Wie fast immer durfte ich dann aber noch “lebende Bio-Tonne” spielen, weil meine kleine Göttin ihre Portion nicht schaffte. Und so Käsespatzen als “Dessert” – warum eigentlich nicht?
Aber bereits beim Aufladen auf die Gabel kam mir da etwas spanisch vor. Sollten Kässpatzen nicht eigentlich etwas Fäden ziehen? Eigentlich schon – diese jedoch nicht. Dies “schmatzten” irgendwie. Und beim ersten Bissen bestätigte sich dann der Verdacht: das war Schmelzkäse?!
Nö, sorry, da setzt es bei mir als Halbschwabe einfach aus. Man kann Kässpätzle kaum mehr verhunzen als das, was uns da vorgesetzt wurde. Denn noch dazu waren die Spätzle an sich total matschig und hatten keinen Biss und “gekrönt” wurden sie von stinklangweiligen, dänischen Röstzwiebeln aus der Dose. Ach ja, der Salat, der mit dabei war – natürlich genau das gleiche wie bei meinem Schnitzel.
Ich kann nicht anders als leider nur eine 5 für diese “Allgäuer Käsepätzle” geben. Eigentlich wäre es ja sogar schon fast eine 6.
Resümee
Zusammengefasst: ich will ja kein Restaurant nur anhand von zwei Gerichten mies machen, aber der Verdacht liegt einfach verdammt nahe, dass hier nicht wirklich gekocht wird. So wie das geschmeckt hat und zubereitet wurde, vermute ich mal, dass hier nur recht ungelerntes und wohl auch nicht besonders stark motiviertes Personal am Wirken ist und mit einfachsten Mitteln (und billigen Zutaten) versucht, irgendwas auf den Teller zu bringen, was zumindest irgendwie schmeckt, von guter Küche aber meilenweit entfernt ist.
Also vielleicht gehen wir ja wieder mal hin. Nicht zuletzt war es ja nicht wirklich schlecht. Man bekommt Riesenportionen für wirklich faire Preise und man kanns essen. Ein echter Gaumenschmaus ist es allerdings überhaupt nicht. Eher zweckdienliches Essen. Aber allemal um einige Zehnerpotenzen besser als McDonalds.
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hm …
also hier in KA gibt es mindestens 6 Studentenkneipen, bei denen du für 4 – 5 Euro pro Mahlzeit satt wirst. Qualitativ zumindest in Sachen Fisch nicht wirklich überragend – aber die restlichen 95% der Gerichte werden probat und lecker zubereitet.
Favorit z.B. in der Kippe oder im Cafe Bleu: Schnitzel mit (fritierten!) Kartoffeln .. finde ich tausendmal leckerer als die meistens in Fett ertränkten Standard-Bratkartoffeln.
In Bayern kann man ja – außer in Gasthäusern und beim Italiener – sowieso kaum noch zu vernünftigen Preis- (und vor allen Dingen)-Leistungs-Verhältnissen was essen.
cu, w0lf.
Grrr. Darauf würde ich jetzt gerne mit einem “aber wenigstens ist bei uns das Bier billig geblieben” antworten – aber selbst das bekommt man nur noch selten unter 2,50€.
Die frittierten Kartoffeln klingen aber sehr interessant! Quasi “große Pommes”…
Und weil wir uns gerade spontan dazu entschlossen haben, heute Nachmittag IKEA leerzukaufen, werden wir gleich zum Nifo im Neufahrner Kino-Komplex aufbrechen. Der bisher leckerste Thailänder, bei dem ich jemals war. Und das Mittagsbuffet für 6,90€ pro Person klingt erst mal echt fair. Bin ja gespannt…
Womöglich waren das noch Analogkäsespatzen… *bäh* Ich glaube ich weiß wo du warst, war da nicht früher mal das Sunbeam… oder Tagblatt? Oder verwechsle ich jetzt Tagblatt und Stadtschreiber? Egal… ist schon lange her daß ich in Freising gewohnt habe.
Mit dem Essen in solchen Cafes bin ich immer sehr vorsichtig, in erster Linie geht es ja darum Kaffee oder Cocktails zu schlürfen und dabei gesehen zu werden (siehe deine Bemerkung zum Publikum). Wirkliche gute Küche kann man da kaum erwarten.
Ach nee, jetzt sehe ich es… das ist da wo früher der Wienerwald war!
Du sagst es. Schickimicki. Muss man aber auch mal erlebt haben. Und hätte die Sonne nicht so schön auf die Terrasse gescheint, wären wir wohl auch gar nicht auf die Idee gekommen. Aber nebenan im Tagblatt waren schon alle Tische im Freien besetzt – und auf der anderen Seite beim Griechen, dessen Namen ich mir nie merken kann (Olymp?) war noch Schatten bzw. war uns grad überhaupt nicht nach griechisch.
Aber ob da früher der Wienerwald drin war? Weiß ich gar nicht – ich bin erst seit 1997 in Freising. Oder eigentlich in Haag – die ganze Freisinger Innenstadt hab ich erst viel später so richtig kennengelernt, da ich zum Einkaufen immer genügend Supermärkte und Fachgeschäfte außerhalb hatte…