LUKUHLUS – der LOHAS

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Das Bockerl – unser Ritt auf der Dampfmaschine

Dampflok gegen (Kohle-)Dampfkraftwerk - rund 200 Jahre technische Entwicklung in einem Bild.

Dampflok gegen (Kohle-)Dampfkraftwerk - rund 200 Jahre technische Entwicklung in einem Bild.

Dieses Wochenende gab es ein Riesenspektakel bei uns in Haag. Nicht nur Eisenbahnbegeisterte kamen dabei voll auf ihre Kosten. Das Bockerl fuhr wieder! Bockerl war der liebevolle Spitzname für den von 1909 bis 1973 fahrenden Schienenbus, der die südliche Hallertau mit der Zivilisation, sprich Freising verband. Und zu seinem Namen kam es, weil der damals schon sehr betagte Dieselmotor manchmal eben einfach bockte. In den letzten Betriebsjahren ist es sogar öfter vorgekommen, dass der Anlasser streikte und die Fahrgäste das ganze Gefährt einfach anschieben mussten. Heutzutage absolut undenkbar – damals aber irgendwie nichts besonderes. Die Frage, die ich mir angesichts dieser und anderer auf der Homepage des Bockerls gesammelten Anekdoten aber stelle: wie wäre es wohl gewesen, in dieser Zeit gelebt zu haben? Stressfreier? Sorgloser? Gelassener?

Aber auch wenn das Original-Bockerl nicht mehr existiert, so schaffen es ein paar begeisterte Eisenbahner des Bayerischen Localbahn-Vereins Tegernsee es dennoch alle paar Jahre mal, zumindest die Strecke zwischen Freising und Haag wieder mit alten Dampfzügen zu befahren. Nostalgie zum Anfassen. So eben auch heuer, zum 100jährigen Geburtstag des Bockerls.

Der Bayrische Localbahn-Verein Tegernsee e.V.

Der Bayrische Localbahn-Verein Tegernsee e.V.

Und dieses Mal machten auch wir spontan einen Ausflug mit dem Bockerl. Das Wetter war bombastisch, als wir uns gegen 11:30 Uhr entschlossen, dass wir doch die Gelegenheit nutzen sollten, sonntags mal ohne Auto nach Freising und zurück zu kommen. Außerdem hat man als Hobbyfotograph nicht so oft die Gelegenheit, eine Dampflok im Betrieb vor die Linse zu bekommen und Impressionen der Fahrt im Bild festzuhalten.

Also schnappte ich mir die Kamera und dann gingen wir los. Abfahrt war am hinteren Eingang unseres Biergartens, also durchquerten wir diesen erst mal. Und waren überrascht, welcher Betrieb um diese Uhrzeit schon herrschte. Aber wir waren ja auch bei weitem nicht die einzigen, die sich diese Gelegenheit nicht entgehen und mit dem Dampfzug fahren wollten. Dementsprechend trafen wir am provisorisch aus Balken und Brettern zusammengenagelten Bahnsteig auf etwa 150 Leute – und mindestens 100 Kameras. Sogar das Fernsehen war anwesend.

Alles einsteigen bitte!

Alles einsteigen bitte!

 

15€ sollte eine Hin- und Rückfahrt pro Person kosten und die Fahrkarten gab es an Bord, also drängten wir uns zusammen mit den restlichen 148 Fahrgästen und den 6 mit original Uniform ausgestatteten Schaffnern in die nostalgischen Waggons und suchten vergeblich einen Sitzplatz. Wir waren zu langsam. Also standen wir eben. Und staunten. Die Ausstattung der Wagen war schlicht – aber eigentlich völlig ausreichend. Ein wirklich schönes Detail, von dem ich aufgrund der schwierigen Lichtverhältnisse leider kein brauchbares Foto zustande brachte, war der Kohleofen mittem im Waggon. So richtig schön mit Kamin und daneben die Kohlekiste und einem Hinweisschild, den Ofen bitte nicht zu überheizen. Schräg.

Auch der “Abort” war eine eigene Besichtigung wert, aber ohne Extrem-Weitwinkel leider auch nicht zu fotografieren. Aber man hatte dort erstaunlich viel Platz. Also um so vieles unbequemer als in heutigen Zügen sah dieser Lokus aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts auch nicht aus. Eigentlich eher sogar geräumiger. Dabei waren die Menschen damals doch eigentlich schlanker?

Mit Wasserkraft mobil - erstaunlich, welche Kraft dieses kleine Ding entwickelt!

Mit Wasserkraft mobil - erstaunlich, welche Kraft dieses kleine Ding entwickelt!

Jedenfalls ging es dann endlich los. Mit lautem “Puff-puff-puff-puff” und einer sicher bis München sichtbaren Rauch- und Dampfwolke setzte sich der Zug in Bewegung und wir wurden sanft auf die Wahnsinnsgeschwindigkeit von vielleicht 50 km/h beschleunigt. Mehr hätte auf die erste Etappe bis nach Langenbach auch kaum Sinn gemacht, da sie recht kurz ist. Außerdem geht es dabei über eine etwas filigran aussehende, uralte Eisen-Holz-Brücke, von der ich bei der Rückfahrt noch einen Schnappschuss erhaschen konnte (siehe weiter unten).

Schön war auch, dass es bei diesen alten Waggons noch die “Brücke” gab, also einen Bereich an jedem Ende des Waggons, bei dem man im Freien stand. Laut Inschrift war dieser Bereich für bis zu 10 Personen zugelassen – aber wir haben uns zu sechst schon ganz schön auf die Füße getreten. Ist aber irgendwie ein unbeschreiblich geiles Gefühl, quasi im Freien mit dem Zug zu fahren. Man bekommt so richtig was von der Landschaft mit, durch die man fährt. Gut, im Winter oder bei Regen hätte ich da auch keine Lust drauf, aber an so einem herrlichen Frühlingstag wie gestern? Ich hätte mir in dem Moment fast kein schöneres Erlebnis vorstellen können.

Sieht zwar nach Wahnsinnstempo aus - waren aber nur ca. 60km/h...

Sieht zwar nach Wahnsinnstempo aus - waren aber nur ca. 60km/h...

Dann kam aber die lange Gerade von Langenbach nach Marzling und da drückte der Lokführer mal so richtig auf die Tube. Mit geschätzten 60 km/h donnerten wir also über die Gleise und der Fahrtwind blies uns um unsere Nasen und ließ die Haare wehen. Auch das Stück zwischen Marzling und dem Freisinger Bahnhof war dann recht schnell zurückgelegt, wobei mir zum ersten Mal auffiel, durch welche schöne Natur man in diesem Abschnitt überhaupt fährt. Ich bin früher täglich mit dem Zug von Langenbach nach München gefahren – aber diesen Wald und die kleinen Tümpel habe ich vorher noch nie realisiert. Im Freien auf der Brücke aber? Man ist einfach um so vieles bewußter unterwegs…

Nicht im Bild: Jim Knopf und Lukas

Nicht im Bild: Jim Knopf und Lukas

Nach nur 20 Minuten Fahrt waren wir also in Freising angekommen, wo mir dann auch zum ersten Mal eine schöne Porträt-Aufnahme der tapferen kleinen Lok gelang, die uns da durch die Welt zog. Eigentlich schon erstaunlich. Bereits Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Dampfmaschine erfunden, aber es dauerte fast 100 Jahre, bis James Watt eine entscheidende Verbesserung der Technik gelang, diese Technologie ihren Siegeszug ansetzte und ihren bedeutenden Teil zur Industrialisierung beitrug. Danach folgten noch fast 200 Jahre Forschung und ingenieurstechnische Meisterleistung – und auf einmal wurden stattdessen die modernen Verbrennungs- und Elektromotoren eingesetzt. Obwohl eine Dampfmaschine auch mit regenerativen Brennstoffen betrieben werden und daher eine Möglichkeit zur Reduzierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe sein könnten. Vielleicht nicht im Straßenverkehr, aber wenn ich an die vielen Diesel-Loks denke…?

Lapislazuli-Zifferblatt - eine meiner Lieblingsfarben.

Lapislazuli-Zifferblatt - eine meiner Lieblingsfarben.

Jedenfalls machten wir uns dann auf, um unsere eigentliche Absicht zu verfolgen: ein gemütliches Mittagessen in Freising. Auf dem Weg dorthin kamen wir dann am “blauen Turm” vorbei, ein Bauwerk, das mich schon fasziniert, seit ich in Freising bin. Aber ich weiß leider immer noch nicht, welche Bedeutung das Ding eigentlich hat. Ich denke jedoch, es hat wie so ziemlich jeder Prunkbau in Freising etwas mit der Kirche zu tun. Und das Wetter war diesmal perfekt für ein Foto, bei dem das Blau des Zifferblatts schön zur Geltung kommt. Und als ich dann noch den Kondensstreifen des Flugzeugs entdeckte, der haargenau durch den Querbalken des Kreuzes ging…

Unser Mittagessen bestand dann jedenfalls aus einem Besuch im Cafe Tratsch direkt am Freisinger Marienplatz. Über das Essen dort sollte und werde ich aber separat berichten. Die Rubrik “Restaurant-Tipps” aus meinem alten Blog soll schließlich hier weitergeführt werden. In Kürze: liebevoll angerichtetes Dosenfutter – aber es war sehr üppig und günstig und die zwei Weißbier in der prallen Sonne trugen ihren Teil dazu bei, dass wir in bester Stimmung gegen 14:15 Uhr den Rückweg zum Bahnhof antraten.

Licht, Schatten, geometrische Formen - interessant, welche Ausschnitte man erst mit der Kamera bemerkt.

Licht, Schatten, geometrische Formen - interessant, welche Ausschnitte man erst mit der Kamera bemerkt.

Dort angekommen stellten wir fest, dass der Andrang mindestens doppelt so groß war wie bei der Hinfahrt. Also bekamen wir natürlich wieder keinen Sitzplatz, machten aber aus der Not eine Tugend und bemerkten, dass wir es ja eigentlich sogar genießen würden, die gesamte Rückfahrt im lauen Fahrtwind auf der Brücke zu genießen. Also suchten wir uns einen schönen Platz direkt am Einstieg – und warteten. Und warteten. Und warteten…

Es gab nämlich ein Problem. Aus irgendeinem Grund war die Strecke zwischen Marzling und Langenbach gesperrt und kein einziger Zug durfte dort durchfahren. Also hieß es: warten und Geduld zeigen. Denn es gab keinen Hinweis darauf, wie lange es dauern würde…

Die ersten 15 Minuten waren ganz lustig. Die zweiten 15 Minuten waren von Menschen beherrscht, die die Geduld verloren, wieder aussteigen wollten und wir deswegen permanent wie in einem Schiebepuzzle Platz zu machen versuchten. Die dritten 15 Minuten dominierten plärrende und quängelnde Kinder sowie ihre entnervten Eltern. Und die letzten 15 Minuten begann ich dann langsam, Zen und die Gabe der Gelassenheit über nicht zu ändernde Gegebenheiten zu verstehen.

Probiers mal - mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gelassenheit...

Probiers mal - mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gelassenheit...

Die Wartezeit vertrieb ich mir aber auch mit vielen mehr oder weniger gelungenen Schnappschüssen. Und ich glaube, langsam habe ich die Nikon wirklich einigermassen im Griff. Oder was eigentlich noch viel wichtiger ist: die Nachbearbeitung der Bilder am Computer geht immer schneller von der Hand. Und dank eines genialen Tutorials über die Farbverbesserung im LAB-Raum weiß ich jetzt auch endlich, wie ich die Farben besser herausholen und ihnen mehr Leuchtkraft verleihen kann, ohne dass das Ergebnis künstlich aussieht. Inwieweit mir das tatsächlich gelingt – nun, das sei dem Geschmack des jeweiligen Betrachters überlassen. Über Kommentare würde ich mich jedenfalls freuen!

Mit einer geschlagenen Stunde Verspätung setzte sich der Zug dann aber endlich wieder in Richtung Haag in Bewegung…

Nicht zu weit hinauslehnen!

Nicht zu weit hinauslehnen!

Und diesmal gelang mir auch ein Bild, das ich schon seit der Abfahrt im Kopf hatte und das ich unbedingt machen wollte. Die Indiana-Jones-Brücke! Ich nenne sie so, weil ich schon mehrmals zu Fuß darüber gegangen bin und sie einfach keinen wirklich stabilen Eindruck macht. Zu Fuß kann man durch die Holzbalken durchblicken und sieht die etwa 6 Meter darunter durchfließende Amper. Ein Fehltritt – und man würde ganz schön nass werden. Und über dieses Konstrukt tuckerten wir jetzt mit einem zig Tonnen schweren Koloss…

Wobei es gar nicht so einfach war, das Foto zu machen. Wie man im Bild erahnen kann, ist die Zugplattform nicht wirklich gut gesichert. Es gibt zwar ein Eisengestänge, aber da es sehr niedrig war und sich leicht nach oben wegklappen ließ, war das Hinauslehnen mit einem nicht unerheblichen Adrenalinkick verbunden. Aber dafür hat man ja eine Digitalkamera mit Serienbildfunktion. Also einfach Kamera rausgehalten, den Auslöser durchgedrückt, den Kamerawinkel leicht verändert – und tatsächlich sind zwei der etwa 15 Bilder echt gut geworden, was die Bildgestaltung angeht. Es lebe die digitale Welt – so viele Bilder mit einem analogen Film “auf gut Glück” zu verschießen wäre mir für solche Experimente echt zu schade gewesen…

Wie dem auch sei – gegen 16:15 Uhr waren wir also wieder zurück im heimatlichen Haag, wo wir uns dann auch gleich in den aus allen Nähten platzenden Biergarten stürzten. Und versumpften. Also so richtig böse. Doch das ist eine andere Geschichte, von der es aber glücklicherweise auch keine Fotos gibt… ;)

Alles in allem jedenfalls ein gelungener Sonntag. Und von mir aus könnte das Bockerl ruhig wieder öfter fahren…

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1 Kommentar

  1. Wow, nicht schlecht! Das ist ja eine richtig alte Dampflok … mit der würde ich auch mal gerne mitfahren.

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