Sport ist Mord – an unserem Klima!

Ein Sportereignis kann ein tolles Erlebnis sein - jedoch nicht im Bild: die tausenden Autos, mit denen die Leute ins Stadion kamen...
Als ich gestern bei diesem wunderbaren Frühlingswetter abends nach Hause fuhr, irritierte mich auf der schön langen, ebenen Strecke zwischen Freising und Langenbach ein geparktes Auto, das auf dem parallel zur Straße verlaufenden, geteerten Feldweg stand. Es war ein silberner Kombi. Der Kofferraum war offen und darin saß ein Herr mittleren Alters, der sich gerade seine Roller-Blades umschnallte, um offensichtlich anschließend diese Teerstrasse auf- und abzurollen. Woraufhin ich ins Grübeln kam…
Und als ich darüber nachdachte, fiel mir auch wieder ein, dass ich mich ja schon letztes Jahr mal darüber erboste, dass in dem wunderschönen, “Plantage” genannten Stück Wald am Nordrand von Freising regelmässig dutzende von Joggern und Nordic Stalkern unterwegs sind. Was an sich nicht schlimm wäre, schließlich ist dieser ganze Wald ja sogar für Sport- und Naturbegeisterte “ausgebaut” worden – aber was ich eben nicht verstehe ist die Tatsache, dass jeder von denen mit dem Auto da hinfahren muss!? Also vor allem die Jogger aus Freising, die wohl nur eine einzige Runde um den Wald bräuchten, um ihr Pensum zu erreichen, wenn sie die 2km von ihrer Haustür in den Wald nicht mit dem Auto fahren, sondern laufen würden.
SUV = Sehr Umweltschädliches Vehikel!
Natürlich fällt einem als erstes zum Thema Sport und Umweltschädlichkeit ein, dass es ja sogar eine eigene Gattung Auto gibt, die für solche Bedürfnisse entwickelt wurde – und die sich leider großer Beliebtheit erfreut. Sports Utility Vehicle, oder kurz SUV. Da hat man unendlich Platz im Kofferraum und leicht geländegängig sind diese Dinger ja üblicherweise auch noch, bieten aber im Innenraum den Komfort eines normalen PKW. Man kann seinen sportlichen Hintern mit dieser Motorkraft also in noch bequemerer Art und Weise in noch viel weiter entlegene Gegenden bewegen, um dort dann – tja, “gesunden Sport” zu treiben…
Doch es sind ja nicht nur die Vorzeige-Klimasünder in ihren SUVs. Denn komischerweise stehen gerade dort an der Plantage eigentlich ganz normale Klein- und Mittelklassewagen. Also sind SUV-Fahrer hier ausnahmsweise mal nicht die Bösen. Eher im Gegenteil. Denn wenn ich mir die Fahrer dieser Monster mal so ansehe, dann besteht bei vielen wohl der einzige Sport aus dem athletischen Drücken der Fernbedienungsknöpfe während der Übertragung eines Fußballspiels ihrer Lieblingsmannschaft. Oder sie haben sich für ein solches Gefährt entschieden, weil es dem Fahrer nun mal ein sportliches Image verleiht. Oder weil es ja sooo praktisch ist, wenn man Kinder hat und alles schön im Kofferraum unterbringt, obwohl hier ein stinknormaler Kombi oder kleiner Family-Van mindestens genauso seinen Dienst täte.
Nichtsdestotrotz – manche verwenden so ein SUV tatsächlich in irgendeiner Art für ihre sportlichen Aktivitäten, besonders wenn es um besonders trendige (Extrem-)Sportarten geht. Also das heißt in der Praxis, sie fahren damit ihre kleine Sporttasche durch die Gegend. Denn mehr braucht man ja üblicherweise wirklich nicht, um sich irgendwo zu bewegen, egal ob das nun zum Joggen, Fußball spielen, Klettern oder sogar Reiten ist. Warum man diese kleine Sporttasche aber nicht ganz normal im Kofferraum oder auf der Rückbank eines handelsüblichen PKW verstauen kann, sondern einen fetten SUV dafür braucht, bleibt mir jedoch ein Rätsel. Also zumindest kenne ich keinen einzigen, der wirklich regelmäßig ein Kanu oder einen Segelflieger oder eine schwere Taucherausrüstung oder einen Hanggleiter oder eine Fallschirmausrüstung oder ein Surfbrett oder sonstwas Großes transportieren muss, was den Stauraum eines Lieferwagens rechtfertigen würde. Beziehungsweise haben diese Leute dann meist auch wiederum kein SUV, sondern gleich einen Lieferwagen oder entsprechende Anhänger. Oder eben einen normalen Kombi, notfalls mit entsprechendem Dachgepäckträger.
Sport ist – woanders!
Also mal abgesehen davon, ob hierfür nun SUVs verwendet werden oder ganz normale Autos – Sport ist in unserer Gesellschaft offenbar etwas geworden, zu dem man immer wie selbstverständlich hinfährt. Klar, Mobilität ist ja nicht teuer. Also kann ich auch die paarhundert Meter zum örtlichen Fußballverein mit dem Auto fahren. Oder ins Fitness-Studio. Oder ins Schwimmbad. Oder in den Wald zum joggen. Schließlich bin ich ja nach dem Training kaputt und ausgepowert und möchte mich dann nicht mehr unnötig viel bewegen.
Außerdem kann ich ja nur in Ruhe in diesem Waldstück da draussen joggen, weil da noch so richtig wenig los ist und ich schöne Natur um mich rum habe. Und schwimmen kann ich logischerweise ja auch nur in einem Schwimmbad oder einem See und da hab ich nun mal keinen vor der Haustür. Geschweige denn, was das Fußballtraining angeht. Oder die tollen Gerätschaften im Fitness-Studio. Das geht alles nun mal nicht zu Hause.
Allerdings fahren die meisten wohl kaum mehr als vielleicht zwei oder drei Kilometer, um diese Sportstätten zu erreichen, oder? Also mal abgesehen davon, dass bei solchen Kurzstrecken auch ein Kat noch nichts nützt, weil der erst funktioniert, wenn er Betriebstemperatur hat und davor bläst das Auto den gleichen Dreck in die Umwelt wie ein Auto komplett ohne Kat – sind das nicht wirklich absolut überflüssige Kilometer? Warum könnt ihr diese lächerliche Strecke eigentlich nicht einfach mit dem Fahrrad absolvieren? Oder wenn Ihr schon ach so sportlich seid: joggt doch einfach mal ins Fitness-Studio oder ins Schwimmbad! Wenn Ihr Euch nur allgemein ein wenig mehr bewegen würdet anstatt Eure Hintern bequem mit dem Auto von A nach B zu schieben, BRÄUCHTET Ihr vielleicht schon gar nicht mehr so viel Sport!
Der Berg ruft…!
Und natürlich ist der absolute Trend-Vorzeigesport ja immer noch das Skifahren im Winter. So schön es ist, sich auf zwei Bretter zu schnallen und einen Hang hinunterzujagen – wenn es nicht nur eine Abfahrt von wenigen frustrierenden Sekunden den Dorfhügel hinunter sein soll, muss man dazu eben in die Alpen fahren. Oder zumindest in die Mittelgebirge.
Aber muss man dazu denn wirklich immer sein Auto benutzen? Ich wohne ziemlich in der Nähe der A9, einer der Hauptadern für den Wintersportverkehr. Und regelmässig bricht bei uns der Verkehr zusammen, wenn im Winter für das Wochenende schönes Wetter angesagt ist. Denn wie die Lemminge steigt Ihr auf einmal Freitag Nachmittags in Eure Autos und düst gen Süden, steht stundenlang im Stau oder quält Euch zumindest kilometerweise durch Verkehr im Schritt-Tempo, nur um ein paar mal so einen blöden Berg hinunterzurutschen, sich beim Apres Ski die Hucke vollauffen zu lassen, betrunken zu Musik zu schunkeln, die sich in Anspruchslosigkeit kaum überbieten lässt, oft auf unterstem Niveau alles anzubaggern, was bei “drei!” nicht auf den Bäumen ist und Euch am Sonntag dann verkatert und um über hundert Euro ärmer den gleichen Weg wieder zurückzuquälen.
Also von mir aus könnt Ihr Euer Wochenende ja gerne in den Bergen beim Skifaren verbringen, wenn Euch sowas gefällt – aber warum nehmt ihr eigentlich nicht einfach mal einen Zug für eine solche Reise? Die Bahn fährt bis in alle wichtigen Wintersportzentren bzw. sind diese über gute Buslinien erreichbar. Und viele Hotels bieten ja sogar kostenlose Shuttle-Dienste an. Denn in der Zeit, in der ihr dort seid, braucht Ihr Euer Auto doch echt nicht. Das benutzt Ihr wirklich nur, um dort hin und wieder zurück zu kommen. Also warum tut Ihr Euch den Stress mit dem Fahren dann überhaupt erst an, anstatt gemütlich zurückgelehnt die Zugfahrt zu genießen und entspannt anzukommen?
Natürlich – ich höre schon: die Bahn ist so teuer! Aber wer zu den mindestens 60 Euro Übernachtungskosten für ein Wochenende und den 90 Euro pro Person für einen Skipass sowie den nochmal 50-60 Euro Fress- und Saufkosten pro Person dann nicht auch noch die 50 oder 60 Euro für ein Dauer-Spezial-Ticket der Bahn übrig hat, dem muss ich leider schallend ins Gesicht lachen. Zumal Ihr ja sowieso meistens auch 50-60 Euro Sprit verpulvert. Dass die Bahn in dem Fall dann zu teuer ist, so dass Ihr Euch das Wochenende nicht mehr leisten könnt, ist nichts als eine faule Ausrede. Und nicht nur die Umwelt würde Euch danken, wenn Ihr mal die Bahn nehmen würdet – auch wir Anwohner der betroffenen Autobahnen wären mal ganz froh, wenn unsere nötigen Berufswege nicht immer von Euch verstopft würden.
Wo bitte gehts zum Stadion?
Das Ganze lässt sich sogar noch einen Schritt weiter denken, indem wir uns das Eingangsbild genauer ansehen: wie viele Menschen sind auf diesem Bild zu sehen? 1000? Mehr? Ich kann es ehrlich gesagt auch nicht schätzen, aber ich bin mir sicher, dass für diese Menschenmenge garantiert einige hundert Autos bewegt wurden. Denn auch da sind die Menschen ja wie die Lemminge und wenn der FC Bayern oder 1860 München zu Hause spielen, ist regelmässiges Verkehrschaos bei uns im Münchener Norden angesagt. Weil auch hier lieber jeder mit seinem eigenen Auto fährt anstatt öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Und das, obwohl die Arena wirklich sehr gut angebunden ist. Man muss nur aus einem der täglich mehreren hundert am Hauptbahnhof haltenden Züge aussteigen, ein paar Meter zur U-Bahn gehen und ist dann in spätestens 20 Minuten in der Arena.
Sicher, je nachdem, wo man herkommt, kann vor allem das zurückfahren dann etwas umständlicher werden, weil die Bahn ja zu späterer Stunde nicht gerade die besten Verbindung hat oder man damit nur in die Nähe seiner Heimat kommt und dann keinen Bus mehr zur Verfügung hat. Aber es wäre immer noch besser, nur die Strecke von Eurer Haustür bis zum nächsten Bahnhof zu fahren als die gesamte Strecke bis ins Stadion.
Außerdem könnt Ihr Euch ja bei diesen kurzen Strecken sogar von Euren Frauen hinbringen und wieder abholen lassen, d.h. es muss nicht mal mehr einer die ungeliebte Rolle des nüchternen Fahrers übernehmen?
Ökorrekter Sport
Um wieder zum Eingangsgedanken zurückzukommen: ich unterstütze ja den Willen in jedem, etwas für seinen Körper zu tun. Ich selbst bin zwar so ziemlich die faulste Couchkartoffel, die man sich vorstellen kann (außer, dass ich dank unseres Biergartens Meister im einhändigen 2kg-Stemmen bin
), aber deswegen gönne ich jedem, der anders denkt, seine Einstellung. So lange er mich nicht militant missionieren will, natürlich.
Und genauso gönne ich jedem Fan, dass er sich ein Spiel seiner Mannschaft ansieht. Oder ihr sogar quer durch Deutschland hinterherreist. Ich war selber in jungen Jahren fanatischer Anhänger des ERC Ingolstadt, d.h. ich bin jeden Freitag bzw. Sonntag die 14km zum Eisstadion geradelt und habe es genossen, namentlich bei den Fans in der Ostkurve bekannt zu sein.
Aber denkt doch bitte alle bei Eurer sportlichen Betätigung mal ein bisschen nach. Was habt Ihr davon, wenn Ihr jetzt zwar einen tollen, gesunden, ausdauernden Body habt – wegen der blöden Autofahrerei zu Euren Sportstätten aber die Umwelt unnötig schnell zu Grunde richtet und Eure Enkel Euch mal fragen “Opa, was hast Du damals eigentlich getan, um den Klimawandel vielleicht doch noch abzuschwächen?”
Also wie sieht’s aus? Wie steht es denn mit der Umweltbilanz Deines bevorzugten Sports, lieber Leser?
Verwandte Einträge:
- Südzucker bleibt auf (Gewinn-)Kurs – mit unserem Steuergeld! Wie von n-tv hier gemeldet, hatte die Südzucker AG ein...
- Licht aus! Earth Hour Day 2009 Mittlerweile zum zweiten Mal soll kommenden Samstag von 20:30 Uhr...

Also ich geh entweder zu Fuß zum Skifahren oder fahr mit dem Ortsbus…mich nervt die Parkerei und in Garmisch ist es ja eh kein Problem!
Werd ich jetzt gelobt?
Also, mein Surfbrett passt in den Firmenkombi, bequemer aber in den Bulli, der wird aber eher aus automobilhistorischen Gründen gehalten. Damit geht es dann zum Pullinger Weiher (~ 10km). Laufen geht sowieso ab Haustür, Mauntenbaiken geht von Haag auch aus. Meine Standardroute ist Haag, Friedhof, Obermarchenbach, Oberappersdorf, Unterholzhäusen (sic!), Schlag, Sixthaslbach, Seeberg, Untermarchenbach). Sehr wenig Teer, viel Schotter. Diese Training reichte mir für einen Transalp.
Schifahren tue nur, wenn ich selber hochgelatscht bin – ohne Lift, dafür ungetrübte Naturerfahrungen bei selten geringfügig höheren Gefahren (Lawinenlage, Gletscherspalten…) – wenn man’s vernünftig angeht.
Beim Bladen kann ich verstehen, dass man mit dem PKW in flacheres Gelände fährt, ich kann bremsen und daher die einzig sinnvolle Tour direkt von Mitte der Bergstraße (nomen est omen) über Zolling nach Haindlfing und retour genießen. Ab Haustür.
Anfängern würde ich aber mein sommerliche Feierabendheimfahrrunde um den Regattasee in Schleißheim empfehlen, bretteleben und da hat man seine Ruhe vor Autos. Außer es findet gerade eine Ruder-WM statt
.
So, what`s the score, Kenneth?
Bernd
P.S.
http://www.weihenstephan.org/~bernjuer/easter09.html
Sehr löblich, was Du da so alles treibst! Und in der Tat – “bei uns” auf dem Land sehe ich tatsächlich mehr, die mit dem Sport direkt vor der Haustür anfangen. Außer die Fußballvereine eben, da ist irgendwie regelmäßig Parkplatznot am Haager Sportplatz. Und am Palzinger, wo ich jeden Tag auf dem Arbeitsweg vorbeikomme.
Und das mit dem “Schlenker” auf dem Weg nach der Arbeit ist eine sehr gute Idee! Daran hab ich in der Tat nicht gedacht. Vielleicht hat das der Herr, den ich da mit den Skates beobachtet habe, auch gemacht und ich habe ihm zu Unrecht unterstellt, er hätte extra dafür das Auto bewegt. Naja, bei dem Beispiel aus der Plantage bin ich mir jedenfalls sicher, weil die reisen definitiv nicht mit Arbeits- sondern Laufklamotten an und ich hab noch keinen gesehen, der sich an dem Parkplatz umgezogen hätte…
Aber Mist – jetzt komm ich mir langsam wirklich so dermaßen unsportlich vor…
Späte Antwort, aber: ja klar wirst Du gelobt! Jetzt wenn doch nur alle, die bei uns immer die Autobahn verstopfen, auch gleich in Garmisch wohnen würden…
suv hei0t allerdings Super Useless Vehicle.
cu, w0lf.
Letztens habe ich zwei Damen sogar beim “Nordic Talking” erwischt, mit Stöckern, aber no movement! Schnacken, quasi.
Auch nett. Ich kenns nur so, dass sich zwar schon bewegt wird, die Gespräche aber im Wald über einen halben Kilometer zu hören sind…
Dann haben die Damen aber etwas nicht verstanden, der Puls sollte doch bei 130 sich bewegen, um abzunehmen, da rede ich dann nicht mehr so viel und kraftvoll nach einer halben Stunde…
Meiner Meinung bewegen sich die meisten WalkerInnen ja knapp über Ruhepuls zur nächsten Wirtschaft, um die 300 kcal, die evtl. weggeschmolzen sind, gegen 1000 kcal Sahnetorte einzutauschen.
Wie treffend ausgedrückt!
Deswegen versuche ich bei meinen Radtouren immer, von zu Hause aus wegzufahren. In 98% der Fälle mache ich es auch wirklich.
Doch ab und an, so 3-4 mal im Jahr, wird mit dem Auto auch ein Stück gefahren, sodass man mal andere Strecken kennen lernt.
Gut, das verstehe ich jetzt schon auch. Da mein hauptsächlicher “Sport” eigentlich nur aus dem Spazierengehen (meist mit der Kamera in der Hand) besteht, ist es auf Dauer wirklich öde, wenn man immer nur seine direkte Umgebung sieht und sich die unterschiedlichen Strecken erst nach über einem Kilometer ergeben. Was mit dem Rad ja schnell zurückgelegt ist, zu Fuß aber…
Allerdings: so lange man derartige Anfahrten dann wenigstens noch zu mehrt macht anstatt alleine im Auto zu sitzen (oder 5 Leute jeweils mit eigenem Auto zum Treffpunkt anreisen) und so lange es die Ausnahme und nicht die Regel bleibt – so viel umwelttechnische Unvernunft sei jedem noch zugestanden…