Licht aus! Earth Hour Day 2009

Earth Hour 2009 - Licht aus als Zeichen der Solidarität
Mittlerweile zum zweiten Mal soll kommenden Samstag von 20:30 Uhr bis 21:30 Uhr jeweiliger Ortszeit weltweit das Licht gelöscht werden, um damit ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen, dass wir uns tatsächlich Sorgen um den Klimawandel machen. Ein Zeichen, dass wir bereit und willens sind, tatsächlich etwas dagegen zu tun. Ein Zeichen, dass wir selbst etwas unternehmen und mitmachen wollen und uns nicht immer nur auf “die anderen” rausreden, die doch bitteschön zuerst etwas tun sollen, bevor wir…
Interessant ist allerdings, dass heuer im Gegensatz zu letztem Jahr die Resonanz im Vorfeld noch lange nicht so groß ist. Kein Wunder, denn letztes Jahr beteiligten sich schließlich unter anderem auch Bild und Pro7 maßgeblich an der Verbreitung der Info und mobilisierten damit die Massen. Warum diese heuer nun nicht mehr die Werbetrommel dafür rühren? Man weiß es nicht genau.
Deswegen bleibt es dieses Jahr eher der Blogosphäre vorbehalten, dafür zu werben. Weshalb natürlich auch Lukuhlus seine Gedanken zu diesem Thema nicht für sich behalten kann.
Eine Stunde ohne Licht soll das also werden. Wir sollen damit zeigen, dass wir auch bereit sind, auf etwas zu verzichten und unsere Gewohnheiten zu ändern, um damit dem kommenden Klimawandel entgegenzuwirken. Aber selbst wenn wie anvisiert weltweit eine Milliarde Menschen daran teilnehmen sollten – die konkret in dieser Stunde weltweit eingesparten, mal auf Basis einer 60-Watt-Glühbirne geschätzten 60.000.000 kWh bzw. 60 MWh sind in etwa so viel wie allein “unser” benachbartes Kernkraftwerk in Ohu bei Landshut mit seinen 912MW Leistung (sagt zumindest diese Übersicht) innerhalb von 4 Minuten erzeugt. Also wirklich nur ein winzigstes Tröpfchen auf dem heißen Stein.
Doch darum geht es ja auch gar nicht, sagen die Initiatoren. Dass die Energieeinsparung dieser einen Stunde für die Stromerzeuger überhaupt nicht spürbar sein wird, sei doch allen klar. Vielmehr geht es wie eingangs erwähnt darum, dass die Menschen solidarisch ein Zeichen setzen. So wie sie für eine Demonstration für oder gegen etwas auf die Straße gehen, soll diese Stunde Dunkelheit ein Mahnmal für Politik und Wirtschaft sein, die Weichen wirklich in eine klimafreundliche Zukunft zu setzen.
Allein – man vergebe mir meinen Pessimismus: als ob das irgendjemanden von diesen Polit- und Wirtschaftsbossen jucken würde?
Was wir brauchen, um die Katastrophe noch abzuwenden sind nicht irgendwelche neuen Gesetze oder wirtschaftliche Anreize oder dergleichen. Was wir wirklich brauchen ist ein tatsächlich konsequentes Umdenken in uns selbst. Wie soll sich denn die Problematik entschärfen, wenn parallel zum “Licht aus” dennoch der LCD-Fernseher mit seinen 250W läuft? Natürlich unterstützt von der mindestens 100W-Surround-Anlage. Wie soll weniger CO2 ausgestoßen werden, wenn der Papa vor dem “Licht aus” noch schnell mit seinem ach so praktischen, familien- und kinderfreundlichen SUV zum nur 1km entfernten Supermarkt düst, weil Mama gerade noch rechtzeitig festgestellt hat, dass ja die Kerzen alle sind? Wie soll der ganze Güterverkehr mit seinem immensen Beitrag zum Gesamtausstoß an CO2 weniger werden, wenn die Menschen dennoch weiterhin blind Produkte rein nach ihrer Gier und Faulheit kaufen, ohne an den umweltschädlichen Transport und die oft energie-intensive Lagerung der Waren zu denken anstatt sinnvolle regionale Produkte oder zumindest annähernd heimische Waren zu bevorzugen? Was bringt es einem Unternehmen, wirklich grüne Produkte auf den Markt zu bringen, wenn die Mehrheit dennoch lieber zum billigsten und bequemsten greift und somit auch keine Spirale in Gang gesetzt werden kann, die heimische Produkte wieder günstiger werden lässt?
Nein, ich glaube das Ganze wird wieder mal eine große Augenwischerei. “Guck mal, wir tun jetzt auch was für die Umwelt und knipsen für eine Stunde das Licht aus – wow, sind wir gut!”. Aber spätestens in einer Woche denkt keiner mehr dran, sondern liebäugelt doch wieder mit dem tollen neuen BMW X3 mit 3 Liter Hubraum, um auch ja noch schnell die Abwrackprämie mitzunehmen und somit günstig an ein richtig tolles Geschoss zu kommen.
Ich weiß nicht, was Ihr am Samstag Abend vorhabt. Ich für meinen Teil werde schon mitmachen. Aber wohl anders als die meisten. Und weniger wegen der Earth Hour, sondern einfach weil wir den Samstag Abend nicht wie so viele einfach an die Glotze verschwenden möchten. Kerzen sind bei uns sowieso Standard-Repertoire, denn auch wenn wir schon überall Energiesparlampen haben, gibt es einfach nichts stimmungsvolleres als echtes Kerzenlicht. Und die Glotze werden wir wie gesagt in dieser Stunde auch auslassen. Genauso wie die Surround-Anlage. Noch nicht mal den Laptop oder meinen Home-Server werde ich einschalten und ich bin sogar versucht, bei Strato mal nachzufragen, ob es technisch möglich ist, meine beiden Webserver für diese eine Stunde abzuschalten und um 21:30 Uhr automatisch wieder zu booten.
Was wir dann in dieser einen Stunde machen werden, wenn es dunkel ist und uns jegliche elektronische Unterhaltungsmöglichkeit fehlt? Nun – also wenn Euch darauf nichts einfällt, dann solltet Ihr mal ernsthaft darüber nachdenken, was mit der Romantik in Eurer Beziehung passiert ist…
Nö, im Ernst: wir werden uns wohl eine Stunde lang ausgiebig Norbert und Daggett widmen, dazu gemütlich ein Bierchen trinken und einfach den Moment bewusst genießen…
Und was werdet ihr am Samstag Abend tun? Ich bin gespannt…
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